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	<title>Howl At The Moon</title>
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		<title>Rambo</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 13:04:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal werden Worte überbewertet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-719" title="Rambo" src="http://howlatthemoon.de/wp-content/uploads/rambo.jpg" alt="Wie Rambo an die Tanne springt" width="800" height="600" /></p>
<p>Manchmal werden Worte überbewertet.</p>
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		<title>Surprise!</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Apr 2012 18:20:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Videospiele]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-713" title="done" src="http://howlatthemoon.de/wp-content/uploads/fool.jpg" alt="100 Prozent" width="800" height="448" /></p>
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		<title>Kopfmensch</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Mar 2012 01:07:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klinische Linguistik]]></category>

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		<description><![CDATA[«You stick with the brooding, I’ll handle the wisecracks.» Letztes Jahr habe ich meiner ewigen Grübelei in den Arsch getreten und mich für ein offeneres, spontaneres Leben entschieden. Ich weiß nicht, inwiefern mir das tatsächlich gelungen ist &#8211; ich bin immer noch niemand, der jetzt mal eben auswandern oder eine Bank überfallen würde &#8211; aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>«You stick with the brooding, I’ll handle the wisecracks.»</em></p>
<p>Letztes Jahr habe ich meiner ewigen Grübelei in den Arsch getreten und mich für ein offeneres, spontaneres Leben entschieden. Ich weiß nicht, inwiefern mir das tatsächlich gelungen ist &#8211; ich bin immer noch niemand, der jetzt mal eben auswandern oder eine Bank überfallen würde &#8211; aber ich denke, ich habe mich seitdem ein wenig zum Positiven verändert. Ich bin lockerer geworden.</p>
<p>Trotzdem habe ich mir eine Sache gelassen, bei der Kopfarbeit immer erlaubt sein sollte: Der „Job“. Ich beziehe das nicht nur auf das Studium, sondern auf den gesamten Fachbereich, der für mich mittlerweile ebenso angestrebtes Berufsfeld wie Hobby geworden ist. Es ist nicht so, als hätte ich feste Ziele, die ich ansteuern würde, ich kann momentan nicht mal mit Sicherheit sagen, ob ich später tatsächlich therapeutisch arbeiten will, aber ich kann guten Gewissens festhalten, dass ich die Klinische Linguistik gerne in meinem Leben habe. Der Bereich bedeutet mir was. Und obwohl ich manchmal so tue, als wäre es anders: Ich nehme ihn verdammt ernst. Ich denke nicht, dass Sprachtherapie (zumindest im Kinderbereich) ein Beruf ist, in dem man als Therapeut tatsächlich etwas kaputt machen kann &#8211; der Patient fällt nicht ins Koma, nur weil ich Van Riper’sche Artikulationstherapie gegen Dysgrammatismus injizieren will &#8211; allerdings bin ich kein Freund von Zeitverschwendung, insbesondere dann nicht, wenn ich außer mir auch noch anderen Menschen die Zeit stehle. Wenn ich Unkraut jähte, schnipple ich nicht das oben sichtbare Grünzeug ab, damit die Nachbarin für ein paar Tage die Klappe hält, nein, wenn ich schon mit den Händen im Dreck rumwühle, dann grabe ich auch gleich nach den Wurzeln und habe hinterher ein paar Wochen Ruhe. Eigentlich hinkt dieser Vergleich, weil mir der Zustand unseres Gartens am Arsch vorbeigeht und ich mich dort nur blicken lasse, wenn ich Erde oder Grünzeug zur Terrarieneinrichtung brauche, aber würde ich dem undekorativen Gemüse draußen nun aus irgendwelchen Gründen offiziell den Krieg erklären, so würde ich mich dieser Aufgabe mit Gewissenhaftigkeit und Ernst stellen. (Verdammt, dieser Vergleich ist wirklich dämlich. Ich sollte mich um 2 Uhr nachts nicht mehr an bildhafter Sprache versuchen, das geht offensichtlich fürchterlich nach hinten los. Gewissen- und Ernsthaftigkeit beim Unkrautjähten. Ja, Baby. Das wäre mal ein gelungenes Wahlversprechen.)</p>
<p>Worauf ich hinauswill: In einem Bereich wie der Sprachtherapie erwarte ich&#8230; Effizienz. Effizienz ist eines dieser Wörter, die sich im Kontext „sozialer“ Berufe irgendwie kalt anhören, das ist mir bewusst, aber ich scheine eine bedeutende Sache an diesem Feld eben ganz anders zu sehen als die Menschen, mit denen ich in den vergangenen Wochen zu tun hatte. Mir ist absolut bewusst, dass Sprachtherapie verdammt viel mit Menschen zu tun hat, aber dieser Punkt ist in meinen Augen schlicht und ergreifend nicht alles, was den Beruf ausmacht. Nicht, dass soziale Kompetenzen unwichtig wären, niemand würde Greg House als Sprachtherapeuten wollen &#8211; aber es will auch niemand einen Arzt, dem eigentlich scheißegal ist, wie er am besten die Krankheit behandeln kann, mit der man zu ihm kommt. Ja, die Medikamente, die vor zwanzig Jahren gewirkt haben, könnten’s heute immer noch bringen. Aber vielleicht gibt’s ja mittlerweile was Besseres. Irgendwas, das schneller wirkt, weniger Nebenwirkungen hat. Was von Ratiopharm. Whatever.<br />
Die Sprachtherapie in Deutschland ist verhältnismäßig unterentwickelt, aber es gibt durchaus Menschen, die versuchen, den Bereich hier weiterzubringen. Die erstellen beispielsweise Diagnostiktools und erforschen neue Therapiemöglichkeiten. Das sind Dinge, die wir an der Uni lernen: Wie man dieses Zeug einsetzt, wie man es bewertet, wie man beurteilt, welche davon für welchen Patienten taugen und welche nicht. Als popliger Drittsemester behaupte ich nicht, ich wüsste, wie der Hase im Praxisalltag zu laufen hat, aber was ich bisher davon zu Gesicht bekommen habe, gefällt mir trotzdem nicht. Ich höre „45 Minuten Therapie, 15 Minuten Therapieplanung und -vorbereitung“ und sehe „35 Minuten Therapie, 10 Minuten Kaffeetrinken und Telefonieren, 0 Minuten Therapieplanung“. In der Uni höre ich „Elternkontakt ist das A und O“ und alles, was ich davon zu Gesicht bekomme, besteht aus Hallo, Tschüss und „Eine Unterschrift bitte“. Die Uni sagt „Anamnesegespräch“, die Praxis antwortet mit „Das lasse ich unter den Tisch fallen, bringt eh nix“. Die Uni zeigt mir Heerscharen von standardisierten und normierten Testverfahren, in der Praxis finde ich leere Patientenakten, 45-minütige Diagnostiksitzungen, in denen nichts als die Artikulation und Lautdiskrimination abgefragt werden, und wenn ich Berichte für die Krankenkasse in die Finger kriege, so scheint eh ein Patient dem anderen zu gleichen, abgesehen davon, dass der eine einen Schetismus und der andere einen Kappazismus hat, sprich, die Schwierigkeiten bei unterschiedlichen Lauten liegen. Und genauso sieht letztendlich auch die Therapie aus: Jeder Patient bekommt dasselbe. Ab und an variiert ein Spiel, welches Memory mit welchen Bildern gewählt wird, hängt wieder vom betroffenen Laut ab, aber schlussendlich komme ich mit fünf bis zehn verschiedenen Spielen und ein paar bunten Bildern mit sämtlichen Patienten über die Runde.<br />
„Das ist die Berufserfahrung.“<br />
„Man kann alles so nutzen, dass es therapeutisch sinnvoll ist.“<br />
„Die Patienten machen Fortschritte.“</p>
<p>Der kleine Junge zieht eine Karte, guckt und sagt: „Das Pferd steht vor dem Stall.“ Und ich überlege, ob er diesen grammatikalisch perfekten Satz gebildet hat, weil er’s kann, oder weil er dieses Spiel seit drei Monaten jede Woche spielt und diese verdammten Sätze anfangen, sich in sein Hirn zu brennen. Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen sind nicht „doof“ &#8211; im Gegenteil, einige sind sogar richtig gewieft darin, in der Therapie so wenige Fehler wie irgendwie möglich zu machen, damit die Therapeutin nicht rumnörgelt. Macht er das zu Hause dann auch so gut? Keine Ahnung, mit den meisten Eltern habe ich ja nichts zu tun. Die liefern das Kind ab und gabeln es später wieder auf. Fertig.</p>
<p>Ich frage mich, ob das alles sein soll.</p>
<p>Vielleicht bin ich einfach denkgeil. Vielleicht will ich zu viel analysieren, vielleicht handle ich dadurch zu wenig. Vielleicht liegt es an mir.</p>
<p>„Ich weiß ja nicht, was ihr werden wollt&#8230;“ Sie meint das Studium mit seinem hohen NC, dem Jahrespraktikum in der Klinik, aber ohne Vorpraktikum im Kindergarten, das einem Kinderliebe bescheinigt.<br />
Ich hocke auf einem Stuhl, in mich zusammengesunken, eingefallen wie ein Kartenhaus, und starre auf die Tischplatte. Ich wirke so demotiviert, sagt sie. So ginge das nicht, sagt sie. Ja. Genau das denke ich mir auch. So geht das nicht.<br />
„Ich weiß ja nicht, was ihr werden wollt&#8230;“<br />
Und ich sage: „Ich auch nicht.“</p>
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		<title>Es ist genau, wonach es aussieht&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 20:20:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vogelspinnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Für mich als Vogelspinnenhalter gestalten sich manche Aussagen von kleinen Patienten allerdings wesentlich horrorhafter als die Schattenspiele einer sich sonnenden Chromatopelma cyaneopubescens. Kind: „Iiih, ne Spinne!“ Ich: „Magst du keine Spinnen?“ Kind: „Neiiin! Kann ich gar nich kaun!“ Ich: „Die kannst du nicht kauen??“ Kind: „Neiiin!“ Ich: „Aber Spinnen kaut man doch nicht!“ Kind (Unschuldsblick [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-696" title="Tarantula" src="http://howlatthemoon.de/wp-content/uploads/tarantula.jpg" alt="" width="800" height="360" /></p>
<p>Für mich als <a title="Vogelspinnen als Delikatesse" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vogelspinnen#Delikatesse" target="_blank">Vogelspinnen</a>halter gestalten sich manche Aussagen von kleinen Patienten allerdings wesentlich horrorhafter als die Schattenspiele einer sich sonnenden Chromatopelma cyaneopubescens.</p>
<p>Kind: „Iiih, ne Spinne!“<br />
Ich: „Magst du keine Spinnen?“<br />
Kind: „Neiiin! Kann ich gar nich kaun!“<br />
Ich: „Die kannst du nicht kauen??“<br />
Kind: „Neiiin!“<br />
Ich: „Aber Spinnen kaut man doch nicht!“<br />
Kind (Unschuldsblick aus zwei tiefbraunen Rehaugen): „DOCH!“</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Nostalgie und Stimmungskiller</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 00:39:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film und TV]]></category>

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		<description><![CDATA[24 war gewissermaßen die Serie meiner Teenie-Zeit. Ich habe nicht die geringste Ahnung, welches Bekanntheitsgrades sich die Serie in Deutschland erfreut und wie gut sie hier angekommen ist (ich weiß nur, dass sie oft genug parodiert wird) &#8211; es ist mir auch herzlich egal, Fakt ist: Ich war damals regelrecht high davon. Ich war so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>24 war gewissermaßen die Serie meiner Teenie-Zeit. Ich habe nicht die geringste Ahnung, welches Bekanntheitsgrades sich die Serie in Deutschland erfreut und wie gut sie hier angekommen ist (ich weiß nur, dass sie oft genug parodiert wird) &#8211; es ist mir auch herzlich egal, Fakt ist: Ich war damals regelrecht high davon. Ich war so verdammt begeistert von dieser Sendung, dass ich wahrscheinlich mein Leben lang haufenweise 24-spezialisierte Neuronen mit mir herumtragen werde, die zu den unmöglichsten Zeitpunkten wegen entfernter Assoziationen zu den acht längsten Tagen von Jack Bauer feuern. (Das kann durchaus Nachteile haben. Wer die Serie kennt, erinnert sich vielleicht, dass in der zweiten Staffel der „Endboss“ von Tobin Bell gemimt wird &#8211; dem Typen, der die SAW-Filme dank seiner Jigsaw-Darstellung so sehenwert gemacht hat. Aus irgendeinem Grund hielten die Macher von 24 es damals für nötig, eine Szene einzubauen, in dem ihm irgendein schickes Frauenzimmer Akupunkturnadeln ins Gesicht piekst &#8211; Bell sieht auch damit noch relativ faszinierend aus, ein bisschen wie Pinhead vielleicht, aber leider nur so lange, wie er die Klappe hält. Sobald er anfängt, zu sprechen, fangen die Teile fürchterlich an zu wackeln, und zumindest auf mich wirkt dieses Heer aus schwingenden Nadeln auf der Stirn von Mr. Todernst-„Cherish your life / I want to play a game“ fürchterlich komisch. Komisch genug, dass mir beim letzten Versuch, mir SAW II anzusehen, prompt das Wasser, das ich eigentlich zu trinken gedachte, aus der Nase geschossen ist. Ich glaube, mein MacBook hat sich davon bis heute nicht ganz erholt.)</p>
<p>Nun bin ich in einem Anfall von Nostalgie darauf gekommen, dass es eine tolle Idee wäre, sich die komplette Serie noch einmal in einem Zug anzusehen, und dabei durfte ich feststellen, dass dieses 24-Feeling sich bis heute aktivieren lässt. Das macht Spaß. Ist total entspannend. Mag sein, dass man mittlerweile etwas kritischer an manche, das heißt, viele Aspekte rangeht, aber dieses „Eingesogen-Werden“ klappt bis heute. Bei mir zumindest.</p>
<p>In der dritten Staffel gibt es diese herrlich dramatische Szene, in der ein fieser Terrorist den Tod eines CTU-Chefs verlangt. Dem wird selbstverständlich Folge geleistet, immerhin verhandelt man immer gern mit Terroristen. Ich persönlich konnte den Chef nie leiden, neige aber zu schrecklicher Empathie, sobald ich Männer weinen sehe, und diesem Mann laufen natürlich im Angesicht seines herannahenden Todes die Tränen über’s Gesicht. Schnief. Damit hat er mich damals gekriegt, damit kriegt er mich auch heute noch, entsprechend darf man sich mich überemotionales Weibsbild mit einem mitleidigen Seufzer auf den Lippen vorstellen, wenn die Kamera auf Jacks Hand mit der Waffe zeigt, die langsam auf Ryans, so heißt der Knabe, Hinterkopf zielt.</p>
<p>Während vom anderen Sofa ertönt: „GENAU AUF DIE GLATZE!“</p>
<p>Das hat’s irgendwie kaputt gemacht. Danke, Mama.</p>
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		<title>Gefährten</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 13:01:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[„Es ist nur ein Auto!“ ist einer dieser ganz speziellen Aussprüche, bei denen ich nur die Augenbrauen heben und die Stirn runzeln kann, wenn ich ihn zu hören kriege, einfach, weil es für mich unvorstellbar ist, wie ein Mensch sowas sagen und es dabei auch noch ernst meinen kann. Ein Auto ist niemals nur ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-676" title="Volkswagen" src="http://howlatthemoon.de/wp-content/uploads/vw.jpg" alt="" width="800" height="214" /></p>
<p>„Es ist nur ein Auto!“ ist einer dieser ganz speziellen Aussprüche, bei denen ich nur die Augenbrauen heben und die Stirn runzeln kann, wenn ich ihn zu hören kriege, einfach, weil es für mich unvorstellbar ist, wie ein Mensch sowas sagen und es dabei auch noch ernst meinen kann. Ein Auto ist niemals nur ein Auto. Zumindest nicht für den, der es fährt. Vielleicht sehe ich das nur so, weil ich schon damals als kleines Blag zusammen mit Papi etliche Stunden mit dem Betüddeln des Familienautos zugebracht habe, aber der eigene Wagen ist in meinen Augen schlichtweg mehr als ein fahrbarer Untersatz, mit dem man von A nach B kommt. Autos sind Bauchsache. Manchen schaut man auf die Haube und man kann sie nicht ausstehen, bei anderen reicht ein Blick auf die Frontscheinwerfer und einem wird warm ums Herz. Es geht dabei nicht darum, wer das teuerste Auto mit dem innovativsten Design, der zukunftsweisendsten Technik und dem stärksten Motor an Land zieht. Manche Karren mag man einfach, egal, wie viele Schrammen den Lack zieren, wie hoch der Kilometerstand ist, wie beschissen die Made in China-Verarbeitung sein mag. Menschen meiner Altersklasse köpfen beim Autokauf gewöhnlich das eigene Sparschwein und gucken, was sich machen lässt &#8211; klar, dass dabei kein nagelneuer Benz rausspringt. Das muss es auch gar nicht. Mein erstes Auto war einer dieser affigen Kleinstwagen aus dem Hause Toyota &#8211; der fuhr mit seinen pseudosparsamen 3 Zylindern auffallend beschissen, wurde bei jedem zweiten Windstoß fast von der Straße gefegt, bestand zu 70% aus Plastik, hatte den Hupton eines Bobby Cars und war gnadenlos undicht, und trotzdem habe ich ihn geliebt. Nicht immer gleich stark, das gebe ich zu &#8211; Wut und Ärger finden sich in den besten Beziehungen (insbesondere dann, wenn der Partner Schuld daran ist, dass man beinahe von einem herannahenden LKW überrollt wird) &#8211; aber er war für mich immer ein bisschen mehr Gefährte als einfach nur Gefährt. Er war ein Begleiter, eine Konstante.</p>
<p>Es ist die Vernunft, die mir sagt, dass die Trennung in Ordnung sei… Schädigen Piranhateiche im Innenraum und damit verknüpfte drohende Reparaturkosten im vierstelligen Bereich doch nachhaltig das Vertrauen in die Beziehung.<br />
Das Bauchgefühl dagegen trauert. Das Bauchgefühl ist in einem unbeobachteten Moment vor dem Kleinen in die Knie gegangen, hat die Stirn an den Kühlergrill gedrückt, eine gute Reise gewünscht und leise Goodbye gesagt.</p>
<p>Das Bauchgefühl braucht seine Zeit, um sich an den neuen Wagen zu binden. Er mag der tollste auf Erden sein (meine Fresse, JA, das ist er!), aber es braucht einfach ein bisschen Zeit.</p>
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		<title>Zwanzig Elf</title>
		<link>http://howlatthemoon.de/2011/12/31/zwanzig-elf/</link>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 13:35:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Persönliche Jahresrückblicke laufen meist &#8211; wie alle Texte, die etwas zusammenfassen und beurteilen wollen &#8211; auf dasselbe hinaus: Ein Fazit. Ein Satz, der die Kernaussagen bündelt. Ein Satz, der ein Jahr mit einer Hand voll Wörtern verknüpft &#8211; im Bestfall ein Satz, der 365 Tage mit einem einzigen Wort beschreibt. ‚Mein Jahr 2011 war […].‘ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Persönliche Jahresrückblicke laufen meist &#8211; wie alle Texte, die etwas zusammenfassen und beurteilen wollen &#8211; auf dasselbe hinaus: Ein Fazit. Ein Satz, der die Kernaussagen bündelt. Ein Satz, der ein Jahr mit einer Hand voll Wörtern verknüpft &#8211; im Bestfall ein Satz, der 365 Tage mit einem einzigen Wort beschreibt. ‚Mein Jahr 2011 war […].‘ Gut. Schlecht. Atemberaubend. Grässlich. Schießmichtot.<br />
Das Tolle daran? Diese Sätze sind eben subjektiv. Man stelle sich spaßeshalber in einen Raum voller Menschen und trompete heraus: 2011 war geil. Nun betrachte man die Reaktionen der Umstehenden. Die Frau dort drüben runzelt die Stirn, die daneben grinst dämlich, der Typ da zuckt mit den Schultern und stopft sich ein Sektglas in den Hals, der Kerl neben ihm wirft dir einen vernichtenden Blick zu. Die erste Frau denkt an ihre Scheidung und das Designersofa, das sie im Krieg verloren hat, die zweite an ihre Hochzeit vor drei Monaten und das sich allmählich entwickelnde Kind, das sie im Bauch herumträgt, dem einen Mann wollen spontan weder bemerkenswerte Höhen noch Tiefen des vergangenen Jahres einfallen, der andere dagegen trauert seinem gerade verstorbenen Hund hinterher. Der will von deinem geilen Jahr 2011 gerade nichts wissen. Frau 1 wird Frau 2 wahrscheinlich nicht zu ihrer Hochzeit gratulieren. Typ 1 wird sich mit Freude weiterhin am Sekt gütlich tun, sich dabei aber ungern die Geschichten über Tobys Ableben von Typ 2 antun.</p>
<p>Ich bin ein bisschen wie Typ 1. Ich habe aufgehört, Jahre in gute und schlechte einzuteilen &#8211; mir fallen spontan durchaus diverse High- und Lowlights meines Jahres 2011 ein, aber ich sehe nicht den geringsten Nutzen darin, die jetzt wieder hervorzuholen. Und ich will mir in diesen Tagen auch nicht anhören, was bei anderen alles schief gelaufen ist. Es tut mir schrecklich leid für jeden, der 2011 seinen Hund verloren hat &#8211; aber erzählt mir nicht wieder die alten Kamellen von vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Erzählt mir nicht wieder, wie schlecht die Welt ist. Sitzt nicht wieder auf euren Sofas, erhebt um Mitternacht müde das Sektglas und seufzt theatralisch etwas von einem Frohen Neuen und dass das kommende Jahr besser werden solle, als das letzte. Es gibt Menschen, die das jedes Jahr sagen. Jedes. Verdammte. Jahr. Und das macht mich unbeschreiblich müde.</p>
<p>Mir ist bewusst, dass manche Dinge im Leben so falsch laufen, dass sie sich gnadenlos festfressen und wie ein hartnäckiger Automatismus immer das erste sind, was im Zweifelsfall abgerufen wird. Was ist das erste, was du machst, wenn du im Auto schalten willst? Du gehst vom Gas. Was ist das erste, woran du denkst, wenn du morgens die Augen öffnest? Tja, da fängt es möglicherweise schon an.<br />
Doch man kann gegensteuern. Der Zellklumpen, den man in seinem Kopf durch die Gegend schleppt, tut die meiste Zeit (sofern er intakt ist, jedenfalls) genau das, was wir von ihm wollen &#8211; und er passt sich dem an, was wir bevorzugt mit ihm machen. Der Klumpen verändert sich, andauernd, um den Bedürfnissen seines Besitzers bestmöglich gerecht zu werden. Die Gehirne von glücklichen und unglücklichen Menschen arbeiten unterschiedlich. Sie sind eben ein bisschen wie treudoofe Hunde: Wo ihr Herrchen hinwill, da folgen sie. Menschen, die den ganzen Tag auf ihren fünf Buchstaben hocken und über ihr eigenes Leid nachgrübeln, haben ein Gehirn, das exakt auf dieses Leiden getrimmt ist &#8211; es folgt seinem Herrchen nämlich mit größtmöglicher Demut auch zu der Klippe, von der das sich (manchmal unbewusst) gerade hinunterstürzen will. Für sein Herrchen begeht dieses blöde Ding mit dem allergrößten Vergnügen Selbstmord. Herrchen scheint nur leider manchmal gar nicht zu wissen, was es da tut.</p>
<p>Manche Menschen haben sich so tief in ihre schwarzgraue „kann ich nicht“-Welt zurückgezogen, dass sie das grün blinkende Notausgangsschild neben ihrem Schädel überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Sie versuchen es auch gar nicht, und genau das ist die Sache, die mich ankotzt. Obwohl sie selbst es sind, die sich und ihrem Glück im Weg stehen, weil ihre Kindheit so schrecklich gewesen, ihre Ehe so schief gelaufen, ihr Leben ach so im Eimer sei, schieben sie der ganzen Welt die Schuld in die Schuhe &#8211; und wer immer in Reichweite ist, darf sich die Scheiße dann anhören, jetzt, Jahre später, nachdem bereits ein ganzer Friedhof von Gelegenheiten und Möglichkeiten vor ihrer Haustür aus dem Boden gewachsen ist und man bei jedem Versuch, diesen Menschen zu folgen, zwangsweise über zehn Grabsteine stolpert und sich wundert, warum keiner dieser Auswege jemals genutzt wurde. Ich war immer ziemlich empathiefähig, aber gerade bin ich es einfach nur noch leid, andererleuts Dreck von meinem Fußboden fegen zu müssen. Ich bin müde. Ich habe meine eigenen Probleme. Ich brauche eine Pause.</p>
<p>Heute bin ich Typ 1. Heute bin ich diejenige, die sich das Sektglas in den Hals stopft und auf 2011-Kommentare hin die Schultern zuckt. Mein Jahr 2011 ist vorbei. Ich lebe. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Stattdessen wünsche ich lieber jedem, der das liest, ein Frohes Neues Jahr 2012.</p>
<p>Macht was draus. Bitte.</p>
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		<title>Festtage</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 02:02:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Frohes Fest! Frohes Fest! Frohes Fest! Faules Fett&#8230; Fett und faul&#8230; Froh-faul-fett&#8230; Und Sie mich auch! (Eine schöne Bescherung) Letzten Sommer stand ich eines Morgens mit der Kaffeetasse in den Pranken vorm Küchenfenster und starrte nach draußen, als auf einmal ein Nachbarsjunge vorbeirannte, gröhlend eine AK47 schwenkend. Die sah aus diesen drei Metern Entferung so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Frohes Fest! Frohes Fest! Frohes Fest! Faules Fett&#8230; Fett und faul&#8230; Froh-faul-fett&#8230; Und Sie mich auch!<br />
<em>(Eine schöne Bescherung)</em>
</p></blockquote>
<p>Letzten Sommer stand ich eines Morgens mit der Kaffeetasse in den Pranken vorm Küchenfenster und starrte nach draußen, als auf einmal ein Nachbarsjunge vorbeirannte, gröhlend eine AK47 schwenkend. Die sah aus diesen drei Metern Entferung so echt aus, dass mir fast die Tasse aus der Hand rutschte &#8211; die Vorstellung, was die nächste weitsichtige Seniorin beim Anblick der schicken Plastikwaffe empfinden mochte, zauberte mir dabei ein ganz gewaltiges Grinsen aufs Gesicht, bin ich doch alles andere als ein Morgenmensch und neige zu früher Stunde zu leichter Gehässigkeit.<br />
Meine nächste Reaktion war&#8230; offen gestanden ein Hauch von Neid. Nicht, weil ich in dem Moment gerne an seiner Stelle schreiend durch die Straße gerannt wäre, mit einem Gewehr über dem Kopf herumfuchtelnd, sondern weil ich <strong>früher</strong> gerne mit einer Waffe fuchtelnd durch die Straße gerannt wäre. Keiner echten natürlich, ich war nie wirklich gewaltätig (ich konnte nur Puppen nicht ausstehen) &#8211; nur einer, die halbwegs echt aussah. Ich hatte sehr tolerante Eltern, es mangelte mir nie an dem Star Wars-Lego, das ich gerade haben wollte, aber die Sache mit der Waffe&#8230; Das wäre zu viel gewesen. Ich traute mich damals nicht einmal, zu fragen. Star Wars-Lego war okay, aber eine Waffe sendete irgendwie die falschen Signale. Also fand ich mich damit ab und beließ es dabei. </p>
<p>Weihnachten ist für Erwachsene nicht mit dem zu vergleichen, was es für Kinder ist. Kinder warten 24 Tage lang gemütlich darauf, das größte Türchen im Adventskalender öffnen zu dürfen, warten dann weiter bis zum Abend und werden schließlich endlich auf ihre Geschenke losgelassen &#8211; Erwachsene quälen sich etwa 24 Tage lang mit der Organisation einer völlig hirnlosen Feierlichkeit, verbringen dann einen mehr oder weniger erträglichen Abend im Kreis der Familie (wie erträglich das Fest wird, hängt meist davon ab, wie viel Familie man zu ertragen hat) und dürfen dann die Zeit danach damit verbringen, die Spuren zu beseitigen. Meine Einstellung zu Weihnachten hat sich in den vergangenen Jahren also durchaus grundlegend gewandelt.</p>
<p>Manche Dinge ändern sich allerdings nie. Gewisse Menschen freuen sich beispielsweise auch dann noch über bestimmte Geschenke, wenn sie mit satten 14 Jahren Verspätung eintrudeln. Und so unmädchenhafte Interessen kleine Mädchen manchmal haben, so kindisch benehmen sich auch manche Erwachsene. Gut, dass man heute stolz behaupten kann, die Walther P99 aus Plastik, die dort vorm Fernseher liegt, gehöre zu einer Videospielkonsole. Dann kommt auch keiner auf die Idee, dass ich vielleicht doch noch eines Tages damit gröhlend durch die Straße rennen könnte&#8230;</p>
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		<title>Liebe LIP &#8211; QW XXX,</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 15:51:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nebenbei]]></category>

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		<description><![CDATA[deine verzweifelten und, mit Verlaub, ausgesprochen erfolglosen Versuche, ein Kabel (?) unter der Sonnenblende des Beifahrers zu verstauen, habe ich heute mit großem Interesse und unerschütterlicher Faszination über ganze sechs Rotphasen hinweg beobachtet. Dennoch, findest du nicht, du könntest das Teil irgendwo anders in deinem Wagen unterbringen? Es fährt sich tatsächlich viel entspannter, wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>deine verzweifelten und, mit Verlaub, ausgesprochen erfolglosen Versuche, ein Kabel (?) unter der Sonnenblende des Beifahrers zu verstauen, habe ich heute mit großem Interesse und unerschütterlicher Faszination über ganze sechs Rotphasen hinweg beobachtet. Dennoch, findest du nicht, du könntest das Teil irgendwo anders in deinem Wagen unterbringen? Es fährt sich tatsächlich viel entspannter, wenn man nicht ununterbrochen mit der rechten Hand wahlweise die Sonnenblende nach oben drücken oder ein fallendes Kabel auffangen muss. Es reduziert sogar das Risiko für Beinahe-Kollisionen mit am Straßenrand haltenden Postfahrzeugen.</p>
<p>Ich mein ja nur.</p>
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		<title>Wunschvorstellungen</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 20:12:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Es herrscht diese klassische Wartezimmeratmosphäre. Wer hier sitzt, blättert entweder in den zerknitterten Zeitschriften, die auf dem Tisch ausgebreitet liegen, oder starrt stumpf in die Gegend. Ich tue letzteres. Wartezimmer-Zeitschriften rühre ich nie an &#8211; wer weiß, wer die Teile vor mir in den Griffeln hatte, und wer weiß, weswegen der beim Arzt war. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es herrscht diese klassische Wartezimmeratmosphäre. Wer hier sitzt, blättert entweder in den zerknitterten Zeitschriften, die auf dem Tisch ausgebreitet liegen, oder starrt stumpf in die Gegend. Ich tue letzteres. Wartezimmer-Zeitschriften rühre ich nie an &#8211; wer weiß, wer die Teile vor mir in den Griffeln hatte, und wer weiß, weswegen der beim Arzt war. Die Frau dort drüben hustet schon wieder, und ich frage mich unwillkürlich, weswegen es die anderen Leute hier zum Wochenend-Notdienst verschlagen hat. Hoffentlich hat hier keiner ansteckende Krankheiten, ich habe Klausuren vor mir.</p>
<p>Ich blicke missmutig auf meine Schuhe. Da ist dieser Typ, der alle zwei Minuten den Gang entlangläuft, einen Jungen mit PSP vor der Nase im Schlepptau. Der Große trägt FlipFlops und Shorts, hält sich betont lässig ein Wattepad an die Schläfe, und immer wenn er durch mein Blickfeld marschiert, kann ich nicht anders, als hinzusehen. Die zwei sind die einzigen hier, die sich bewegen. Mein Blick wird von so viel Action fast magnetisch angezogen. Sie verschwinden in einer Tür.</p>
<p>Neben mir sitzt eine junge Familie. Mama wischt dem vielleicht acht Monate alten Junior gerade die Schuhe mit einem Feuchttuch ab. Ich weiß beim besten Willen nicht, wozu das gut sein soll &#8211; kaut er zu Hause auf den Dingern rum, oder was? Sie redet mit hoher Stimme auf ihn ein, ein Musterbeispiel an Baby Talk. Papa hält pflichtbewusst die Tasche auf dem Schoß und starrt auf den Fußboden. Wäre das mein Kind, ich hätte ihm coolere Schuhe gekauft. Die Dinger sind lila. Mir fällt niemand ein, der freiwillig Lila trägt. Außer dem Joker vielleicht. Clowns.</p>
<p>Der Typ kommt wieder um die Ecke, aber diesmal steuert er auf die Wartenische zu. Er und der PSP-Junge setzen sich auf die Stühle mir gegenüber. Er hält immer noch das Wattepad. Er schaut mich an. Ich schaue zurück.<br />
„Die sind echt fix hier, eh?“ Er klingt irgendwie osteuropäisch. Ich bin nicht in Stimmung für echte Kommunikation, also mache ich nur „Hm“ und blicke wieder zu Junior hinüber. Der rudert mit den Ärmchen und macht „Bah!“. Würd ich auch machen, müsste ich diese Schuhe tragen.<br />
Der Typ schaut mich immer noch an. Spricht dann weiter: „Hab eine Platzwunde.“ Ich ziehe die Lippen ein und hebe die Brauen, in der Hoffnung, dass das irgendwie mitleidig aussieht. Armer Kerl. Die kleine Wunde an seiner Stirn sieht richtig gefährlich aus. Wahrscheinlich ist er über seine FlipFlops gestolpert und ihn hat’s gelegt. Hab nie verstanden, wie man damit draußen rumrennen kann.<br />
„Das war eine Pistole!“ Er schaut mich erwartungsvoll an &#8211; ich schaue nur zweifelnd auf seine Stirn. „Eine ohne Kugel, die nur Knall macht!“ „Oh“, sage ich. Er: „Mann hat sie mir über den Schädel gezogen!“ Ich nicke verständnisvoll. Ein Blick in die kriminellen Abgründe meiner langweiligen Kleinstadt &#8211; Tante Erna knallt Niko eine Schreckschusspistole, das heißt, ihren Krückstock getarnt als Schreckschusspistole, an die Platte. Sehr cool. Joker Junior macht „dah-dah“ und wackelt mit den lila Schuhen.<br />
Der Typ fängt jetzt an zu erzählen &#8211; mein Mangel an Reaktion juckt ihn offensichtlich wenig. Ich war nie gut darin, Leute mit Akzent zu verstehen. Ich habe keine Ahnung, wovon er redet. Ich verstehe „Mann“, ich verstehe „Pistole“, ich verstehe „Neffe und Neffin“. Er ist richtig in Fahrt, spricht immer schneller und gestikuliert wild. „Und ich sage, er soll schießen!“ Er schaut mich aus riesengroßen Augen an. „Ich hab keine Angst gehabt! Gar nicht! Echt, keine Angst!“ Ich mime Erstaunen, dann Bewunderung. Ich war schon immer beschissen im Schauspielern, aber ich glaube, das ist ihm egal. „Aber Neffin hat geweint!“ Zurück auf Mitgefühl. „Dann sprang er über Zaun.“ Sehr sportlich. „Aber Polizei hat schon.“ Er holt Luft. Ich sage: „Na dann…“ Er lehnt sich grinsend in seinen Stuhl zurück und faltet die Hände hinter dem Kopf. Sein T-Shirt ist ihm zu kurz. „So ist das Leben, ne?“ „Jau.“ Endlich mal einer, der weiß, wie’s geht.</p>
<p>Ich werde aufgerufen.</p>
<p>Das war im September. Jetzt, im November, höre ich wieder von toten Säuglingen in meiner ach-so-unkriminellen Kleinstadt und wünsche mir, es gäbe haufenweise echte Nikos, die sich vor reale Neffen und Neffinnen stellen, um sie vor Tante Erna (oder wem auch immer) zu schützen.</p>
<p>Diesen Nikos würde ich mehr als nur Schreckschusspistolen in die Hände geben.</p>
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