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	<title>Howl At The Moon</title>
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		<title>Gefährten</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 13:01:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[„Es ist nur ein Auto!“ ist einer dieser ganz speziellen Aussprüche, bei denen ich nur die Augenbrauen heben und die Stirn runzeln kann, wenn ich ihn zu hören kriege, einfach, weil es für mich unvorstellbar ist, wie ein Mensch sowas sagen und es dabei auch noch ernst meinen kann. Ein Auto ist niemals nur ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-676" title="Volkswagen" src="http://howlatthemoon.de/wp-content/uploads/vw.jpg" alt="" width="800" height="214" /></p>
<p>„Es ist nur ein Auto!“ ist einer dieser ganz speziellen Aussprüche, bei denen ich nur die Augenbrauen heben und die Stirn runzeln kann, wenn ich ihn zu hören kriege, einfach, weil es für mich unvorstellbar ist, wie ein Mensch sowas sagen und es dabei auch noch ernst meinen kann. Ein Auto ist niemals nur ein Auto. Zumindest nicht für den, der es fährt. Vielleicht sehe ich das nur so, weil ich schon damals als kleines Blag zusammen mit Papi etliche Stunden mit dem Betüddeln des Familienautos zugebracht habe, aber der eigene Wagen ist in meinen Augen schlichtweg mehr als ein fahrbarer Untersatz, mit dem man von A nach B kommt. Autos sind Bauchsache. Manchen schaut man auf die Haube und man kann sie nicht ausstehen, bei anderen reicht ein Blick auf die Frontscheinwerfer und einem wird warm ums Herz. Es geht dabei nicht darum, wer das teuerste Auto mit dem innovativsten Design, der zukunftsweisendsten Technik und dem stärksten Motor an Land zieht. Manche Karren mag man einfach, egal, wie viele Schrammen den Lack zieren, wie hoch der Kilometerstand ist, wie beschissen die Made in China-Verarbeitung sein mag. Menschen meiner Altersklasse köpfen beim Autokauf gewöhnlich das eigene Sparschwein und gucken, was sich machen lässt &#8211; klar, dass dabei kein nagelneuer Benz rausspringt. Das muss es auch gar nicht. Mein erstes Auto war einer dieser affigen Kleinstwagen aus dem Hause Toyota &#8211; der fuhr mit seinen pseudosparsamen 3 Zylindern auffallend beschissen, wurde bei jedem zweiten Windstoß fast von der Straße gefegt, bestand zu 70% aus Plastik, hatte den Hupton eines Bobby Cars und war gnadenlos undicht, und trotzdem habe ich ihn geliebt. Nicht immer gleich stark, das gebe ich zu &#8211; Wut und Ärger finden sich in den besten Beziehungen (insbesondere dann, wenn der Partner Schuld daran ist, dass man beinahe von einem herannahenden LKW überrollt wird) &#8211; aber er war für mich immer ein bisschen mehr Gefährte als einfach nur Gefährt. Er war ein Begleiter, eine Konstante.</p>
<p>Es ist die Vernunft, die mir sagt, dass die Trennung in Ordnung sei… Schädigen Piranhateiche im Innenraum und damit verknüpfte drohende Reparaturkosten im vierstelligen Bereich doch nachhaltig das Vertrauen in die Beziehung.<br />
Das Bauchgefühl dagegen trauert. Das Bauchgefühl ist in einem unbeobachteten Moment vor dem Kleinen in die Knie gegangen, hat die Stirn an den Kühlergrill gedrückt, eine gute Reise gewünscht und leise Goodbye gesagt.</p>
<p>Das Bauchgefühl braucht seine Zeit, um sich an den neuen Wagen zu binden. Er mag der tollste auf Erden sein (meine Fresse, JA, das ist er!), aber es braucht einfach ein bisschen Zeit.</p>
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		<title>Zwanzig Elf</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 13:35:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Persönliche Jahresrückblicke laufen meist &#8211; wie alle Texte, die etwas zusammenfassen und beurteilen wollen &#8211; auf dasselbe hinaus: Ein Fazit. Ein Satz, der die Kernaussagen bündelt. Ein Satz, der ein Jahr mit einer Hand voll Wörtern verknüpft &#8211; im Bestfall ein Satz, der 365 Tage mit einem einzigen Wort beschreibt. ‚Mein Jahr 2011 war […].‘ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Persönliche Jahresrückblicke laufen meist &#8211; wie alle Texte, die etwas zusammenfassen und beurteilen wollen &#8211; auf dasselbe hinaus: Ein Fazit. Ein Satz, der die Kernaussagen bündelt. Ein Satz, der ein Jahr mit einer Hand voll Wörtern verknüpft &#8211; im Bestfall ein Satz, der 365 Tage mit einem einzigen Wort beschreibt. ‚Mein Jahr 2011 war […].‘ Gut. Schlecht. Atemberaubend. Grässlich. Schießmichtot.<br />
Das Tolle daran? Diese Sätze sind eben subjektiv. Man stelle sich spaßeshalber in einen Raum voller Menschen und trompete heraus: 2011 war geil. Nun betrachte man die Reaktionen der Umstehenden. Die Frau dort drüben runzelt die Stirn, die daneben grinst dämlich, der Typ da zuckt mit den Schultern und stopft sich ein Sektglas in den Hals, der Kerl neben ihm wirft dir einen vernichtenden Blick zu. Die erste Frau denkt an ihre Scheidung und das Designersofa, das sie im Krieg verloren hat, die zweite an ihre Hochzeit vor drei Monaten und das sich allmählich entwickelnde Kind, das sie im Bauch herumträgt, dem einen Mann wollen spontan weder bemerkenswerte Höhen noch Tiefen des vergangenen Jahres einfallen, der andere dagegen trauert seinem gerade verstorbenen Hund hinterher. Der will von deinem geilen Jahr 2011 gerade nichts wissen. Frau 1 wird Frau 2 wahrscheinlich nicht zu ihrer Hochzeit gratulieren. Typ 1 wird sich mit Freude weiterhin am Sekt gütlich tun, sich dabei aber ungern die Geschichten über Tobys Ableben von Typ 2 antun.</p>
<p>Ich bin ein bisschen wie Typ 1. Ich habe aufgehört, Jahre in gute und schlechte einzuteilen &#8211; mir fallen spontan durchaus diverse High- und Lowlights meines Jahres 2011 ein, aber ich sehe nicht den geringsten Nutzen darin, die jetzt wieder hervorzuholen. Und ich will mir in diesen Tagen auch nicht anhören, was bei anderen alles schief gelaufen ist. Es tut mir schrecklich leid für jeden, der 2011 seinen Hund verloren hat &#8211; aber erzählt mir nicht wieder die alten Kamellen von vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Erzählt mir nicht wieder, wie schlecht die Welt ist. Sitzt nicht wieder auf euren Sofas, erhebt um Mitternacht müde das Sektglas und seufzt theatralisch etwas von einem Frohen Neuen und dass das kommende Jahr besser werden solle, als das letzte. Es gibt Menschen, die das jedes Jahr sagen. Jedes. Verdammte. Jahr. Und das macht mich unbeschreiblich müde.</p>
<p>Mir ist bewusst, dass manche Dinge im Leben so falsch laufen, dass sie sich gnadenlos festfressen und wie ein hartnäckiger Automatismus immer das erste sind, was im Zweifelsfall abgerufen wird. Was ist das erste, was du machst, wenn du im Auto schalten willst? Du gehst vom Gas. Was ist das erste, woran du denkst, wenn du morgens die Augen öffnest? Tja, da fängt es möglicherweise schon an.<br />
Doch man kann gegensteuern. Der Zellklumpen, den man in seinem Kopf durch die Gegend schleppt, tut die meiste Zeit (sofern er intakt ist, jedenfalls) genau das, was wir von ihm wollen &#8211; und er passt sich dem an, was wir bevorzugt mit ihm machen. Der Klumpen verändert sich, andauernd, um den Bedürfnissen seines Besitzers bestmöglich gerecht zu werden. Die Gehirne von glücklichen und unglücklichen Menschen arbeiten unterschiedlich. Sie sind eben ein bisschen wie treudoofe Hunde: Wo ihr Herrchen hinwill, da folgen sie. Menschen, die den ganzen Tag auf ihren fünf Buchstaben hocken und über ihr eigenes Leid nachgrübeln, haben ein Gehirn, das exakt auf dieses Leiden getrimmt ist &#8211; es folgt seinem Herrchen nämlich mit größtmöglicher Demut auch zu der Klippe, von der das sich (manchmal unbewusst) gerade hinunterstürzen will. Für sein Herrchen begeht dieses blöde Ding mit dem allergrößten Vergnügen Selbstmord. Herrchen scheint nur leider manchmal gar nicht zu wissen, was es da tut.</p>
<p>Manche Menschen haben sich so tief in ihre schwarzgraue „kann ich nicht“-Welt zurückgezogen, dass sie das grün blinkende Notausgangsschild neben ihrem Schädel überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Sie versuchen es auch gar nicht, und genau das ist die Sache, die mich ankotzt. Obwohl sie selbst es sind, die sich und ihrem Glück im Weg stehen, weil ihre Kindheit so schrecklich gewesen, ihre Ehe so schief gelaufen, ihr Leben ach so im Eimer sei, schieben sie der ganzen Welt die Schuld in die Schuhe &#8211; und wer immer in Reichweite ist, darf sich die Scheiße dann anhören, jetzt, Jahre später, nachdem bereits ein ganzer Friedhof von Gelegenheiten und Möglichkeiten vor ihrer Haustür aus dem Boden gewachsen ist und man bei jedem Versuch, diesen Menschen zu folgen, zwangsweise über zehn Grabsteine stolpert und sich wundert, warum keiner dieser Auswege jemals genutzt wurde. Ich war immer ziemlich empathiefähig, aber gerade bin ich es einfach nur noch leid, andererleuts Dreck von meinem Fußboden fegen zu müssen. Ich bin müde. Ich habe meine eigenen Probleme. Ich brauche eine Pause.</p>
<p>Heute bin ich Typ 1. Heute bin ich diejenige, die sich das Sektglas in den Hals stopft und auf 2011-Kommentare hin die Schultern zuckt. Mein Jahr 2011 ist vorbei. Ich lebe. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Stattdessen wünsche ich lieber jedem, der das liest, ein Frohes Neues Jahr 2012.</p>
<p>Macht was draus. Bitte.</p>
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		<title>Festtage</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 02:02:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Frohes Fest! Frohes Fest! Frohes Fest! Faules Fett&#8230; Fett und faul&#8230; Froh-faul-fett&#8230; Und Sie mich auch! (Eine schöne Bescherung) Letzten Sommer stand ich eines Morgens mit der Kaffeetasse in den Pranken vorm Küchenfenster und starrte nach draußen, als auf einmal ein Nachbarsjunge vorbeirannte, gröhlend eine AK47 schwenkend. Die sah aus diesen drei Metern Entferung so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Frohes Fest! Frohes Fest! Frohes Fest! Faules Fett&#8230; Fett und faul&#8230; Froh-faul-fett&#8230; Und Sie mich auch!<br />
<em>(Eine schöne Bescherung)</em>
</p></blockquote>
<p>Letzten Sommer stand ich eines Morgens mit der Kaffeetasse in den Pranken vorm Küchenfenster und starrte nach draußen, als auf einmal ein Nachbarsjunge vorbeirannte, gröhlend eine AK47 schwenkend. Die sah aus diesen drei Metern Entferung so echt aus, dass mir fast die Tasse aus der Hand rutschte &#8211; die Vorstellung, was die nächste weitsichtige Seniorin beim Anblick der schicken Plastikwaffe empfinden mochte, zauberte mir dabei ein ganz gewaltiges Grinsen aufs Gesicht, bin ich doch alles andere als ein Morgenmensch und neige zu früher Stunde zu leichter Gehässigkeit.<br />
Meine nächste Reaktion war&#8230; offen gestanden ein Hauch von Neid. Nicht, weil ich in dem Moment gerne an seiner Stelle schreiend durch die Straße gerannt wäre, mit einem Gewehr über dem Kopf herumfuchtelnd, sondern weil ich <strong>früher</strong> gerne mit einer Waffe fuchtelnd durch die Straße gerannt wäre. Keiner echten natürlich, ich war nie wirklich gewaltätig (ich konnte nur Puppen nicht ausstehen) &#8211; nur einer, die halbwegs echt aussah. Ich hatte sehr tolerante Eltern, es mangelte mir nie an dem Star Wars-Lego, das ich gerade haben wollte, aber die Sache mit der Waffe&#8230; Das wäre zu viel gewesen. Ich traute mich damals nicht einmal, zu fragen. Star Wars-Lego war okay, aber eine Waffe sendete irgendwie die falschen Signale. Also fand ich mich damit ab und beließ es dabei. </p>
<p>Weihnachten ist für Erwachsene nicht mit dem zu vergleichen, was es für Kinder ist. Kinder warten 24 Tage lang gemütlich darauf, das größte Türchen im Adventskalender öffnen zu dürfen, warten dann weiter bis zum Abend und werden schließlich endlich auf ihre Geschenke losgelassen &#8211; Erwachsene quälen sich etwa 24 Tage lang mit der Organisation einer völlig hirnlosen Feierlichkeit, verbringen dann einen mehr oder weniger erträglichen Abend im Kreis der Familie (wie erträglich das Fest wird, hängt meist davon ab, wie viel Familie man zu ertragen hat) und dürfen dann die Zeit danach damit verbringen, die Spuren zu beseitigen. Meine Einstellung zu Weihnachten hat sich in den vergangenen Jahren also durchaus grundlegend gewandelt.</p>
<p>Manche Dinge ändern sich allerdings nie. Gewisse Menschen freuen sich beispielsweise auch dann noch über bestimmte Geschenke, wenn sie mit satten 14 Jahren Verspätung eintrudeln. Und so unmädchenhafte Interessen kleine Mädchen manchmal haben, so kindisch benehmen sich auch manche Erwachsene. Gut, dass man heute stolz behaupten kann, die Walther P99 aus Plastik, die dort vorm Fernseher liegt, gehöre zu einer Videospielkonsole. Dann kommt auch keiner auf die Idee, dass ich vielleicht doch noch eines Tages damit gröhlend durch die Straße rennen könnte&#8230;</p>
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		<title>Liebe LIP &#8211; QW XXX,</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 15:51:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nebenbei]]></category>

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		<description><![CDATA[deine verzweifelten und, mit Verlaub, ausgesprochen erfolglosen Versuche, ein Kabel (?) unter der Sonnenblende des Beifahrers zu verstauen, habe ich heute mit großem Interesse und unerschütterlicher Faszination über ganze sechs Rotphasen hinweg beobachtet. Dennoch, findest du nicht, du könntest das Teil irgendwo anders in deinem Wagen unterbringen? Es fährt sich tatsächlich viel entspannter, wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>deine verzweifelten und, mit Verlaub, ausgesprochen erfolglosen Versuche, ein Kabel (?) unter der Sonnenblende des Beifahrers zu verstauen, habe ich heute mit großem Interesse und unerschütterlicher Faszination über ganze sechs Rotphasen hinweg beobachtet. Dennoch, findest du nicht, du könntest das Teil irgendwo anders in deinem Wagen unterbringen? Es fährt sich tatsächlich viel entspannter, wenn man nicht ununterbrochen mit der rechten Hand wahlweise die Sonnenblende nach oben drücken oder ein fallendes Kabel auffangen muss. Es reduziert sogar das Risiko für Beinahe-Kollisionen mit am Straßenrand haltenden Postfahrzeugen.</p>
<p>Ich mein ja nur.</p>
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		<title>Wunschvorstellungen</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 20:12:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Es herrscht diese klassische Wartezimmeratmosphäre. Wer hier sitzt, blättert entweder in den zerknitterten Zeitschriften, die auf dem Tisch ausgebreitet liegen, oder starrt stumpf in die Gegend. Ich tue letzteres. Wartezimmer-Zeitschriften rühre ich nie an &#8211; wer weiß, wer die Teile vor mir in den Griffeln hatte, und wer weiß, weswegen der beim Arzt war. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es herrscht diese klassische Wartezimmeratmosphäre. Wer hier sitzt, blättert entweder in den zerknitterten Zeitschriften, die auf dem Tisch ausgebreitet liegen, oder starrt stumpf in die Gegend. Ich tue letzteres. Wartezimmer-Zeitschriften rühre ich nie an &#8211; wer weiß, wer die Teile vor mir in den Griffeln hatte, und wer weiß, weswegen der beim Arzt war. Die Frau dort drüben hustet schon wieder, und ich frage mich unwillkürlich, weswegen es die anderen Leute hier zum Wochenend-Notdienst verschlagen hat. Hoffentlich hat hier keiner ansteckende Krankheiten, ich habe Klausuren vor mir.</p>
<p>Ich blicke missmutig auf meine Schuhe. Da ist dieser Typ, der alle zwei Minuten den Gang entlangläuft, einen Jungen mit PSP vor der Nase im Schlepptau. Der Große trägt FlipFlops und Shorts, hält sich betont lässig ein Wattepad an die Schläfe, und immer wenn er durch mein Blickfeld marschiert, kann ich nicht anders, als hinzusehen. Die zwei sind die einzigen hier, die sich bewegen. Mein Blick wird von so viel Action fast magnetisch angezogen. Sie verschwinden in einer Tür.</p>
<p>Neben mir sitzt eine junge Familie. Mama wischt dem vielleicht acht Monate alten Junior gerade die Schuhe mit einem Feuchttuch ab. Ich weiß beim besten Willen nicht, wozu das gut sein soll &#8211; kaut er zu Hause auf den Dingern rum, oder was? Sie redet mit hoher Stimme auf ihn ein, ein Musterbeispiel an Baby Talk. Papa hält pflichtbewusst die Tasche auf dem Schoß und starrt auf den Fußboden. Wäre das mein Kind, ich hätte ihm coolere Schuhe gekauft. Die Dinger sind lila. Mir fällt niemand ein, der freiwillig Lila trägt. Außer dem Joker vielleicht. Clowns.</p>
<p>Der Typ kommt wieder um die Ecke, aber diesmal steuert er auf die Wartenische zu. Er und der PSP-Junge setzen sich auf die Stühle mir gegenüber. Er hält immer noch das Wattepad. Er schaut mich an. Ich schaue zurück.<br />
„Die sind echt fix hier, eh?“ Er klingt irgendwie osteuropäisch. Ich bin nicht in Stimmung für echte Kommunikation, also mache ich nur „Hm“ und blicke wieder zu Junior hinüber. Der rudert mit den Ärmchen und macht „Bah!“. Würd ich auch machen, müsste ich diese Schuhe tragen.<br />
Der Typ schaut mich immer noch an. Spricht dann weiter: „Hab eine Platzwunde.“ Ich ziehe die Lippen ein und hebe die Brauen, in der Hoffnung, dass das irgendwie mitleidig aussieht. Armer Kerl. Die kleine Wunde an seiner Stirn sieht richtig gefährlich aus. Wahrscheinlich ist er über seine FlipFlops gestolpert und ihn hat’s gelegt. Hab nie verstanden, wie man damit draußen rumrennen kann.<br />
„Das war eine Pistole!“ Er schaut mich erwartungsvoll an &#8211; ich schaue nur zweifelnd auf seine Stirn. „Eine ohne Kugel, die nur Knall macht!“ „Oh“, sage ich. Er: „Mann hat sie mir über den Schädel gezogen!“ Ich nicke verständnisvoll. Ein Blick in die kriminellen Abgründe meiner langweiligen Kleinstadt &#8211; Tante Erna knallt Niko eine Schreckschusspistole, das heißt, ihren Krückstock getarnt als Schreckschusspistole, an die Platte. Sehr cool. Joker Junior macht „dah-dah“ und wackelt mit den lila Schuhen.<br />
Der Typ fängt jetzt an zu erzählen &#8211; mein Mangel an Reaktion juckt ihn offensichtlich wenig. Ich war nie gut darin, Leute mit Akzent zu verstehen. Ich habe keine Ahnung, wovon er redet. Ich verstehe „Mann“, ich verstehe „Pistole“, ich verstehe „Neffe und Neffin“. Er ist richtig in Fahrt, spricht immer schneller und gestikuliert wild. „Und ich sage, er soll schießen!“ Er schaut mich aus riesengroßen Augen an. „Ich hab keine Angst gehabt! Gar nicht! Echt, keine Angst!“ Ich mime Erstaunen, dann Bewunderung. Ich war schon immer beschissen im Schauspielern, aber ich glaube, das ist ihm egal. „Aber Neffin hat geweint!“ Zurück auf Mitgefühl. „Dann sprang er über Zaun.“ Sehr sportlich. „Aber Polizei hat schon.“ Er holt Luft. Ich sage: „Na dann…“ Er lehnt sich grinsend in seinen Stuhl zurück und faltet die Hände hinter dem Kopf. Sein T-Shirt ist ihm zu kurz. „So ist das Leben, ne?“ „Jau.“ Endlich mal einer, der weiß, wie’s geht.</p>
<p>Ich werde aufgerufen.</p>
<p>Das war im September. Jetzt, im November, höre ich wieder von toten Säuglingen in meiner ach-so-unkriminellen Kleinstadt und wünsche mir, es gäbe haufenweise echte Nikos, die sich vor reale Neffen und Neffinnen stellen, um sie vor Tante Erna (oder wem auch immer) zu schützen.</p>
<p>Diesen Nikos würde ich mehr als nur Schreckschusspistolen in die Hände geben.</p>
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		<title>Neue Hobbies</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 15:48:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal wird man selbst als (pseudo-)erwachsener Mensch wieder zurück in Kindertage versetzt und spürt, wie wenig sich eigentlich verändert hat. Ich weiß noch, als ich damals gerade angefangen hatte, schreiben zu lernen, hat mich die Möglichkeit, ausnahmslos jeden Schwachsinn niederschreiben zu können, maßlos fasziniert. So sehr, dass ich meiner Mutter wohl sehr ausdauernd mit der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-632" title="IPA" src="http://howlatthemoon.de/wp-content/uploads/ipa.jpg" alt="Internat. Phonetisches Alphabet" width="800" height="269" /></p>
<p>Manchmal wird man selbst als (pseudo-)erwachsener Mensch wieder zurück in Kindertage versetzt und spürt, wie wenig sich eigentlich verändert hat. Ich weiß noch, als ich damals gerade angefangen hatte, schreiben zu lernen, hat mich die Möglichkeit, ausnahmslos jeden Schwachsinn niederschreiben zu können, maßlos fasziniert. So sehr, dass ich meiner Mutter wohl sehr ausdauernd mit der Frage „Mamaaa, wie schreibt man daaas??“ auf den Nerven herumgetrampelt bin. Die hatte damals außerdem ein Faible für diverse amerikanische Fernsehserien, sodass ich mich nach und nach mit mehreren englischen Namen konfrontiert sah, deren Schreibweise mich noch mehr begeistert hat, als es jedes deutsche Wort konnte. Das klang alles so… andersartig. Ich war hin und weg. Allerdings war mein kindliches Gedächtnis auffallend bescheiden und jeden Zettel, auf dem ich mir die buchstabierten Versionen von Rico Tubbs und Dylan McKay notiert hatte, hatte ich spätestens drei Tage später verlegt, sodass an jenem Abend die Fragerei von vorne losging. Wenn ich mich heute daran zurückerinnere, frage ich mich jedes Mal, wie meine Mutter das ausgehalten hat &#8211; immer, wenn Sonny und Rico gerade dem nächsten Drogenwäscher oder Geldhändler auf der Spur waren und es besonders spannend wurde, kam ich wahrscheinlich mit meinen lebensnotwendigen Fragen („Wie schreibt man denn Elvis?!“) dazwischen.</p>
<p>Nun bin ich aus dem mühsamen Buchstabier-Alter längst raus, aber jeder, der sich ein wenig mit Sprache befasst, wird merken, wie unterschiedlich man ein und dasselbe Wort eigentlich aussprechen kann &#8211; auch dann, wenn man aus derselben Region wie sein Gegenüber kommt, und auch dann, wenn man keine Sprachstörung hat. Nun soll es ja Gerüchten zufolge Menschen geben, die tatsächlich darauf achten, WAS man sagt, nicht wie man es tut, und das ist großartig &#8211; aber alle anderen, die das sächsische „Können Sie vielleicht“ nicht jedes Mal mit „Gänsefleisch“ umschreiben wollen, kommen irgendwann darauf, dass sie vielleicht transkribieren lernen sollten (oder müssen &#8211; je nach Berufswunsch). Lautschrift. Die putzigen Zeichen in eckigen Klammern aus den Englischbüchern, die damals genau so lange interessant waren, bis man ausreichend Sprachgefühl entwickelt hatte und sie ignorieren konnte.</p>
<p>Als man mir im ersten Semester mit der IPA-Tabelle kam, hielt sich meine Faszination auch noch schwer in Grenzen, aber seit ich vor kurzem angefangen habe, mich ernsthaft mit der Transkription selbst zu befassen, bin ich plötzlich wieder fünf Jahre alt, und anstatt alles, was ich höre, zu buchstabieren, transkribiere ich es jetzt. Falls sich also jemand fragt, womit der Klinische Linguist von heute seine Freizeit verplempert… Nun ja.</p>
<p>(Nebenbei bemerkt bin ich mir fast sicher, dass ich beim gestrigen Transkribieren von drei Rammstein-Songs häufiger den stimmhaften uvularen Vibranten verwendet habe, als hiesige Sprachtherapeuten in den letzten drei Jahren zusammen.)</p>
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		<title>Arkham City</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 16:25:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Videospiele]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Bezug auf Games bin ich nörgelig geworden. Wo ich früher noch Zeit hatte, 30 Stunden die Woche zu zocken, bin ich heute froh, wenn ich überhaupt dazu komme, die Playstation oder Xbox anzuwerfen &#8211; und das tue ich nur, wenn ich weiß, dass es sich lohnt. Batman: Arkham Asylum war mein Lieblingsspiel &#8211; nicht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-617" title="Arkham City" src="http://howlatthemoon.de/wp-content/uploads/arkhamcity.jpg" alt="" width="800" height="382" /></p>
<p>Im Bezug auf Games bin ich nörgelig geworden. Wo ich früher noch Zeit hatte, 30 Stunden die Woche zu zocken, bin ich heute froh, wenn ich überhaupt dazu komme, die Playstation oder Xbox anzuwerfen &#8211; und das tue ich nur, wenn ich weiß, dass es sich lohnt. Batman: Arkham Asylum war mein Lieblingsspiel &#8211; nicht, weil ich mich in besonderem Maße für Bruce Wayne oder Bats begeistern würde, sondern vor allem, weil ich den Joker mag. Nicht unbedingt jede Version des Jokers, die Film-Joker hauen mich beispielsweise nicht unbedingt vom Hocker, auch wenn ich die Ledger-Version immerhin angenehm nah am Azzarello/Bermejo &#8211; Joker fand (irgendwas fehlte mir trotzdem) &#8211; aber in jedem Falle liebe ich DIESE Version des Jokers. (Okay, und das Gameplay ist auch nicht schlecht.)</p>
<p>Damit erübrigt sich gewissermaßen die Frage, wieso mein Zimmer nach dem Ende der Hauptstory von Arkham City aussah wie nach einer Flutkatastrophe, und, warum Arkham City für mich einen etwas bitteren Beigeschmack hat. Ich muss auch nicht extra erwähnen, dass ich einem gewissen Namen auf meinem Star Wars-Poster bei aller Liebe nun auch ein ganz, ganz kleines bisschen Hass entgegenbringe. Ich bin eigentlich gar nicht der Typ, der sich sonderlich für fiktive Figuren begeistern kann &#8211; aber ich war eben auch nie ein Freund von Comics, bis ich irgendwann auf „Arkham Asylum &#8211; A Serious House on Serious Earth“ von Grant Morrison stieß und mich unwiderruflich in Mister J verknallte.</p>
<p>Bei aller Frustration, muss ich aber sagen &#8211; ich hatte wirklich meinen Spaß an dem Spiel. Ich werde ihn auch weiterhin haben, Arkham Asylum habe ich nämlich auch fünfmal durchspielen müssen, bis ich irgendwann genug davon hatte. Wer die Spiele kennt, weiß auch, wieso &#8211; selbst nach dem fünften Mal könnte einem nämlich noch ein nettes Detail auffallen, das zuvor an einem vorbeigegangen ist. Und diese Details sind klasse. Teilweise so sehr, dass ich lachend vorm Fernseher sitze.</p>
<blockquote><p><strong>„Joker“:</strong><br />
Well, here&#8217;s the thing. Answers don&#8217;t give you everlasting satisfaction. Sometimes you need to brace yourself for disappointment. Think about it. Imagine your favorite TV show. You&#8217;ve been through it all. The ups, the downs, the crazy coincidences, and then: Bang! They tell you what it&#8217;s all about.<em></em></p>
<p><em></em>Would you be happy? Does it make sense? <strong>How come it all ended in a church?</strong></p></blockquote>
<p>Jeder LOST-Fan muss hier ein sehr, sehr dummes Grinsen im Gesicht gehabt haben. Ich schließe mich da ein.</p>
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		<title>Von arachnophob zu arachnophil &#8211; Oder: Du hältst WAS?!</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 11:33:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vogelspinnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Spinnen gehören bekanntermaßen nicht gerade zu den Tieren, die im Allgemeinen einen sonderlich guten Ruf genießen &#8211; allein in meiner Straße enden wahrscheinlich täglich mindestens fünf Exemplare unter Schuhsohlen und Fliegenklatschen, und ich muss ganz offen sagen, dass ich selbst jahrelang beim Anblick eines wie auch immer gearteten Achtbeiners nur den Rückwärtsgang kannte. Dementsprechend spiele [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spinnen gehören bekanntermaßen nicht gerade zu den Tieren, die im Allgemeinen einen sonderlich guten Ruf genießen &#8211; allein in meiner Straße enden wahrscheinlich täglich mindestens fünf Exemplare unter Schuhsohlen und Fliegenklatschen, und ich muss ganz offen sagen, dass ich selbst jahrelang beim Anblick eines wie auch immer gearteten Achtbeiners nur den Rückwärtsgang kannte. Dementsprechend spiele ich diesbezüglich auch nicht den Moralapostel. Denn, ganz ehrlich: Ich kenne das. Ich kenne diesen sechsten Sinn, der einen jede noch so kleine Spinne in der Umgebung innerhalb von Sekunden enttarnen lässt, ich kenne den Schockmoment, beim Betreten eines Raumes aus dem Augenwinkel einen dunklen Fleck an der Wand wahrzunehmen, ich kenne das Herzrasen, die Schweißausbrüche, das Lähmungsgefühl, die Schlaflosigkeit, und ich kenne jeden einzelnen Gedankengang, der einem in Konfrontationsmomenten durch den Kopf schießt. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich kann mich spontan an mindestens drei Situationen in meinem Leben erinnern, in denen mich ein Achtbeiner dermaßen erschreckt hat, dass ich in Tränen ausgebrochen bin &#8211; und immer war ich dabei älter als 15. Wenn ich sage, ich war arachnophob, dann sage ich das nicht nur so dahin. Arachnophobie bedeutet nicht, dass ich Spinnen ein bisschen uncool und eklig finde und mich lieber mit Katzen, Hunden und Kaninchen beschäftige. Arachnophobie bedeutet, dass ich beim Anblick einer Spinne dermaßen starke psychische und physische Reaktionen zeige, dass ich kurz vorm Kollaps stehe.</p>
<p>Ich habe lange Zeit gedacht, das Problem würde sich von selbst erledigen (frei nach dem Motto: mit dem Alter kommt auch die Weisheit), aber je älter ich wurde, desto mehr schien sich die Panik noch zu steigern. Mit sechzehn Jahren waren alle kindlichen Horrorvorstellungen von Monstern im dunklen Keller längst vergessen, dafür schleppte ich nun allerdings die sehr reale Vorstellung von Spinnen im dunklen Keller mit mir herum, die sich als wesentlich horrorhafter entpuppte, als es die Monster je hätten sein  können. Es lief irgendwie nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte, und mit jedem Lebensjahr mehr auf dem Buckel wuchs mein Ärger über diese dämliche Spinnenphobie ins Unermessliche. Was sollte ich machen, wenn ich in meiner eigenen Bude lebte? Regelmäßig beim Nachbarn klingeln und um Rettung betteln? Alle paar Wochen den Kammerjäger rufen? Mit einem Handstaubsauger am Gürtel durchs Leben gehen?</p>
<p>Es ist nicht so, als wäre mir nicht eigentlich klar gewesen, dass von heimischen Spinnen keinerlei Gefahr ausgeht. Ich kannte auch sämtliche Mantras über die Nützlichkeit der Tiere, und ich wusste ganz genau, wie dumm und unbegründet meine Panik war. Aber es half eben nichts. Phobien sind nicht rational, Phobien sind einfach.</p>
<p>Ich hantierte gerade mit dem Schlüssel meiner herzallerliebsten Dalmatiner-Spardose, als mein Blick auf die in Kunstharz eingegossene Spinne fiel, die mir als Schlüsselanhänger diente. Das Teil hatte ich seinerzeit auf einer Kirmes erstanden, und trotz aller Faszination hatte ich damals ewig Angst davor gehabt, es auch nur anzufassen &#8211; als würde der Insasse sich eines Tages wieder seinen Weg nach draußen bahnen können, um über mich herzufallen und mich ob der Grausamkeiten, die man ihm angetan hatte, zu bestrafen. Trotzdem hatte ich mich irgendwann daran gewöhnt, hatte dem Tier sogar einen Namen gegeben und ließ es sein  lebloses Dasein auf meinem Schreibtisch fristen. Es war irgendwie okay geworden.<br />
In diesem Moment dachte ich mir, dass Gewohnheit der Schlüssel sein könnte &#8211; dass ich mich einfach an den Anblick der Achtbeiner gewöhnen müsste, um meine Angst zu verlieren. Es heißt schließlich immer, der Mensch fürchte vor allem das Unbekannte. Das klang super. Ich weiß gar nicht, wie schnell ich damals Firefox gestartet hatte und „Spinne“ in die Google-Bildersuche gehauen habe &#8211; ich weiß aber noch, dass ich diesen Optimismus noch im selben Moment fürchterlich bereut habe, da mir bei den Suchergebnissen selbstverständlich prompt eine monströse Hauswinkelspinne entgegenleuchtete und ich in blankem Entsetzen fast rückwärts vom Stuhl gefallen wäre. Ich würde die Nacht über kein Auge zutun, soviel stand fest.<br />
Ich wollte den Browser gerade wieder schließen und kapitulieren, da sprang mir der orangefarbene Knieschützer einer  mexikanischen Rotknievogelspinne ins Auge &#8211; achja, die gab es ja auch noch. Das Grauen in XXL-Ausführung. Großartig.<br />
Mit dem Frust nach meiner Niederlage kam der Masochismus, also klickte ich das Bild an und gab mir das Vieh im Vollbildmodus. Ew. Beine. Viel zu viele Beine. Überall nur Beine. Hat das Ding etwa ZEHN davon? Und dann diese Ringeloptik &#8211; ein Monstrum im Schulmädchenlook! Satan in Strumpfhosen! Freddy Krueger in Spinnenform! Das ist doch nicht in Ordnung! Phu, nein. Nicht auszuhalten. Weg damit. Weg, weg, weg!!!</p>
<p>Was es letztendlich war, das den geteufelten Ringel / geringelten Teufel doch irgendwie für mich interessant gemacht hat, weiß ich nicht mehr, aber ein paar Tage später beauftragte ich Google erneut mit einer Suche, diesmal nach dem Begriff „Vogelspinnen“, klickte tapfer auf das erste Ergebnis und fand einen Bericht über die Haltung der haarigen Biester als Haustiere. Wer jetzt meint, das wäre der Moment gewesen, in dem es bei mir ‚klick‘ gemacht hätte, der irrt sich &#8211; mir war natürlich durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die sich diese Achtbeiner freiwillig ins Haus holen, ich war allerdings immer davon ausgegangen, dass es sich bei diesen Menschen wahlweise um Biologen oder Irre (oder eine Mischung aus beidem) handeln musste. Ich klickte den Artikel weg und suchte mir einen Text über die Anatomie der Tiere. Dann fand ich einen über ihre Lebensweise. Einen über ihre Entwicklung. Einen über Häutungen. Einen über Verteidigungsmechanismen. Als ich die erste Website gelesen hatte, nahm ich mir die nächste vor, und danach die übernächste. Ich wollte meiner Phobie in den Hintern treten, wenigstens dieses eine Mal. Ich gewöhnte mich langsam an den Anblick der Riesenspinnen, und ich fing allmählich an, vorsichtige Sympathie für sie zu empfinden. Mir gefiel die Tatsache, dass Spinnen Putzverhalten zeigen (<a title="Beweisaufnahme" href="http://www.youtube.com/watch?v=Tjmmtk8N0hg" target="_blank">!</a>). Ich fand es unglaublich, dass weibliche Exemplare bestimmter Gattungen über 25 Jahre alt werden können. Mir war nie bewusst gewesen, wie feingliedrig und verletzlich diese scheinbar monströsen Tiere eigentlich sind. Ich musste lachen, als ich das erste Mal eine Bombardierspinne mit Glatze bewundern durfte. Eine bebilderte Dokumentation über die Regeneration eines verlorenen Beins im Laufe von drei Häutungen habe ich nahezu inhaliert.<br />
Ich war nicht geheilt, nicht einmal annähernd, aber diese erste Recherche war gewissermaßen der Beginn eines langen Lernprozesses, der bis heute andauert und noch immer nicht ganz abgeschlossen ist. Über Monate hinweg las ich so ziemlich alles über Vogelspinnen, was ich online finden konnte, sah mir jedes Bild an, das verfügbar war, so lange, bis ich dabei keinen Schauer mehr spürte &#8211; dann fing ich mit den ersten Videos an. Ich kann nicht genau sagen, warum ich das so strikt durchgezogen habe, aber ich weiß, dass es geholfen hat. Begegnete ich fortan einer Spinne, war da immer noch der Schockmoment, aber das Herzrasen legte sich, die Schweißausbrüche und die Lähmung blieben fort und ich hatte keine Angst mehr, im Angesicht des Feindes in Ohnmacht zu fallen. Es wurde erträglich. Nicht toll, aber handlebar.</p>
<p>Ich war nie wirklich scharf auf den direkten Kontakt mit einer Vogelspinne gewesen. Manchmal spann ich mir ein Bild von mir mit Brachypelma smithi „Thelma“ zusammen (denn, wenn eine Spinne, dann müsste es natürlich immer eine mit orangefarbenen Knieschützern sein), wie ich in meiner eigenen Wohnung vor ihrem Terrarium sitze, besoffen von meinem Triumph, die gottverdammte Phobie bekämpft zu haben &#8211; aber das war etwas, das ich unter „vielleicht irgendwann mal“ in den Weiten meines Cortex abgespeichert hatte, und ich hatte nicht vor, das in näherer Zukunft zu verwirklichen. Ich traute mir das nicht zu. In der Gleichung waren mir zu viele Unbekannte, und ich wollte nicht die Verantwortung für ein Leben übernehmen, vor dem ich mich vielleicht noch immer fürchtete.</p>
<p>Es kommt eigentlich nie so, wie man es anfangs geplant hatte: Etwas über ein Jahr später nahm ich ein Paket mit drei jungen Vogelspinnen entgegen. Vor Nervosität zitterten mir die Hände, und damals hatte ich so große Angst vor der Angst, Angst, dass ich ewig Angst haben würde, Angst, dass alles, was ich innerhalb von zwei Jahren aufgebaut hatte, gleich zu Staub zerfallen würde, dass ich mich am liebsten für meine Blauäugigkeit, mir einfach so den Feind ins Haus zu holen, geohrfeigt hätte.<br />
Ich suchte die drei nacheinander im Zeitlupentempo aus ihrer sicheren Verpackung, beginnend mit der Kleinsten, endend mit der Größten. Die Kleinen waren Spiderlinge, Baby-Spinnen, die aus ihren Filmdöschen sofort in die vorgegrabenen Höhlen in ihren Aufzuchtboxen stolperten und sich vom Transport erholten. Die (aus Phobikersicht) Große war eine Jungspinne mit etwas über 2 cm reiner Körperlänge und acht ausgesprochen langen, haarigen Beinen. Braun. Keine Knieschützer. Diesen Kandidaten umzusetzen trieb meinen Blutdruck in ungeahnte Höhen, nicht zuletzt deswegen, weil er wenig von der Umsiedelungsaktion hielt und es vorzog, sich an dem Tuch, in dem er saß, festzuklammern.<br />
Nachdem ich alle Behälter sicher verschlossen hatte, lehnte ich mich theatralisch gegen die Wand der Badewanne und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Das Schlimmste war überstanden. Ich stellte die drei auf den Tisch in meinem Zimmer, setzte mich davor und starrte in die Faunabox, in der die Große, eine Grammostola mollicoma, gerade begann, mit unbeschreiblicher Eleganz ihr neues Zuhause zu erkunden. Ich weiß noch, wie mir mit jedem vorsichtigen Schritt, den sie tat, mehr und mehr das Herz aufging &#8211; ich hatte nicht befürchtet, dass sie mir beim Umsetzen an die Kehle springen würde, ich war auch nicht erleichtert, ohne Bisswunden oder Brennhaare im Auge davon gekommen zu sein, ich war einfach nur dankbar, dass dieses vermeintliche Monster heil in seinem neuen Territorium angekommen war, und ich war unbeschreiblich glücklich, dass dieses vermeintliche Monster jetzt zu mir gehörte. Ich nannte sie Cady, nach einer Rolle aus einem alten Scorsese-Film. Nicht ganz ohne Augenzwinkern.</p>
<p>Diese Spinne ist bis heute mein ganzer Stolz. Sie ist noch immer meine Große, misst mittlerweile gut 6 cm reine Körperlänge, und obwohl sie weder bunt noch geringelt sein mag, ist sie für mich der schönste Achtbeiner auf Erden. Mich abends vor ihr Terrarium zu setzen und zu warten, bis die ersten Paar Beine in ihrem Höhleneingang erscheinen, ist mein Urlaub vom Alltag, mein Sahnehäubchen an guten Tagen und mein Rettungsanker an beschissenen. Seit ich sie habe, bin ich zu etwa 97% angstfrei. Die verbleibenden drei Prozent beziehen sich auf besonders große Exemplare von Tegenaria atrica (die lieben Hauswinkelspinnen) &#8211; aber damit kann ich leben. Es würde mich nicht wundern, wenn ich auch diesen schäbigen Rest an Phobie noch verlieren würde.</p>
<p>Ich will hiermit nicht sagen, dass es einfach wäre, seine Phobie zu bekämpfen. Ich behaupte auch nicht, dass es bei jedem funktionieren müsste, und ganz bestimmt will ich nicht, dass sich jeder Arachnophobiker eine Vogelspinne zulegt &#8211; wer sich solche Tiere anschaffen möchte, sollte vorher so viel Zeit in Recherche investieren wie nur irgendwie möglich, und vor allem sollte er sich zu 100% sicher sein, dass er sie dann auch artgerecht versorgen kann. Gelegentliche Zweifel im Voraus sind okay, die hatte ich auch, aber wer im Falle eines Falles nicht bereit sein sollte, seine Angst zu überwinden, um seinem Schützling zu helfen, der sollte es lassen.<br />
Was ich hiermit ausdrücken will, ist Folgendes: Es ist MÖGLICH, seine Phobie zu bekämpfen. Und es ist sinnvoll. So bescheuert es sich anhören mag: Diese Ängste kosten auf lange Sicht Lebensqualität.<br />
Ich bin auch kein Einzelfall. Ich kenne haufenweise Leute, die sich vom Phobiker zum Spinner entwickelt haben, heute Bestände von 300 Achtbeinern pflegen, um die halbe Welt reisen, um die Tiere im natürlichen Habitat zu bewundern und sie teilweise sogar nachzüchten. Keiner von denen ist einer Anstalt entsprungen.</p>
<p>Ich selbst halte heute &#8211; bald vier Jahre nach meiner ersten Recherche &#8211; sieben Vogelspinnen unterschiedlicher Arten. Die Achtbeiner gehören mittlerweile zu mir und meinem Leben dazu, ich wollte sie unter keinen Umständen mehr missen und ich bin unendlich froh, mittlerweile panikfrei in den Keller gehen zu können. Sich hinter seiner Phobie zu verstecken ist bequem, das weiß ich zu gut, aber jeder Versuch, aus ihrem Schatten herauszutreten, kann sich lohnen. Manchmal können dadurch sogar Feinde zu Freunden werden.</p>
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		<title>Rot</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 19:08:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nebenbei]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnert sich noch jemand an die House-Folge, in der eine Mutter ihren Sohn wegen eines ominösen Ausschlages ins Krankenhaus geschleppt hat? Es stellte sich schnell heraus, dass die Familie sich ein todschickes neues (rotes) Sofa zugelegt hatte, auf dem der Bengel sich mit Begeisterung herumgefläzt hat. Und siehe da, das Mistding färbte ab. Fall gelöst. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erinnert sich noch jemand an die House-Folge, in der eine Mutter ihren Sohn wegen eines ominösen Ausschlages ins Krankenhaus geschleppt hat? Es stellte sich schnell heraus, dass die Familie sich ein todschickes neues (rotes) Sofa zugelegt hatte, auf dem der Bengel sich mit Begeisterung herumgefläzt hat. Und siehe da, das Mistding färbte ab. Fall gelöst. Gute Arbeit, Sherlock.</p>
<p>Es waren immer diese kleinen „Zwischenfälle“, die mich die Serie lieben gelehrt haben. Bevorzugt die, die ihn auf gute Ideen bringen, die so bahnbrechend sind, dass er nur noch wortlos aus dem Zimmer humpeln kann, um seinen eigentlichen „Hauptfall“ zu heilen, der gerade irgendwo im Sterben liegt (typischerweise, nachdem bereits neun von zehn Organsystemen versagt haben und man als Zuschauer zahlreiche neue Gründe gefunden hat, warum es einen niemals, unter gar keinen Umständen, ins Krankenhaus verschlagen sollte). Ich finde sie erheiternd &#8211; ich mag die Seitenhiebe in Richtung überfürsorglicher Mütter, und die in Richtung Hypochonder mit Internetdiagnose. Man grinst selbstzufrieden in sich hinein und denkt sich, tja, so ein Unsinn kann einem ja nicht passieren.</p>
<p>Trotzdem muss ich gestern Nacht sicher zwei Minuten fassungslos auf mein krebsrotes Spiegelbild gestarrt haben, mich unbändig über diese gottverfluchte Allergie ärgernd, die mein Gesicht wieder wie das eines Brandopfers ausschauen ließ, wo doch in ein paar Stunden die Uni wieder anfangen würde &#8211; bis mir meine todschicke neue (rote) Bettwäsche einfiel, in der ich mich gerade herumgefläzt hatte. Und siehe da, das Mistding färbt ab.</p>
<p>Fall gelöst. Kann mir ja nicht passieren.</p>
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		<title>Sonntag</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 14:24:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kann mich noch gut an früher erinnern, wo es gewissermaßen zum familiären Pflichtprogramm gehörte, am Wochenende zu Unternehmungen und Ausflügen aufzubrechen, um ein bisschen heile Welt zu suggerieren und den Nachwuchs zu bespaßen. Wenn es gerade kein Zoo oder Park war, fuhr man meist in irgendwelche umliegenden Städte, gab dem Zwerg ein Eis in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut an früher erinnern, wo es gewissermaßen zum familiären Pflichtprogramm gehörte, am Wochenende zu Unternehmungen und Ausflügen aufzubrechen, um ein bisschen heile Welt zu suggerieren und den Nachwuchs zu bespaßen. Wenn es gerade kein Zoo oder Park war, fuhr man meist in irgendwelche umliegenden Städte, gab dem Zwerg ein Eis in die Hand und schlurfte von Laden zu Laden, so lange, bis man ein paar Stunden hinter sich gebracht hatte und guten Gewissens wieder nach Hause fahren durfte. Eigentlich weiß ich nicht, warum sich meine Erinnerungen an diese Zeiten immer unter einem leichten Grauschleier verbergen &#8211; ich war damals noch Kind, lebte in meiner pseudo-heilen, bunten Welt und lief im Hopsergang durch die Straßen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damals glücklich war.</p>
<p>Gestern war in meiner Heimatstadt die Hölle los. Ich weiß nicht, ob es mit dem unheimlich wichtigen Geburtstag des Landes Nordrhein-Westfalen zu tun hatte &#8211; um ehrlich zu sein interessiert mich der Lokalteil meiner Zeitung ungefähr so brennend wie der Mülltonneninhalt meiner Nachbarn (nämlich gar nicht &#8211; nur um das klarzustellen), dementsprechend gut informiert bin ich also über all die spannenden Veranstaltungen und Aktionen, die hier in der Umgebung stattfinden. Ich wohne hier, aber ich lebe hier nicht. Es war purer Zufall, dass ich nun ausgerechnet gestern dort vorbeigefahren bin &#8211; und alles, was ich gesehen habe, waren Menschen. Menschen über Menschen, überall, und das in einer Stadt, die ich sonst guten Gewissens schlichtweg als „tot“ beschreiben würde. Menschen, die sich um Flohmarktstände tummelten, Menschen, die aus überfüllten Läden stolperten oder sich hineinquetschten, Menschen an Fressbuden, Menschen auf Bänken, Menschen, die die Hupen ihrer Autos malträtierten und sich um Parkplätze prügelten. Ich wartete gerade an einer Ampel, als ein Kombi auf der Abbiegerspur mir gegenüber plötzlich zurücksetzte und in den Kleinwagen hinter ihm krachte. Menschen mit Tüten, Menschen mit Ballons, Menschen mit Tunnelblick. Die ganze Stadt schien verrückt geworden. Und ich saß in meinem Auto und verstand überhaupt nichts mehr.</p>
<p>Ich bin generell kein Fan von Stadtbummeln und Shoppingtouren, aber ich respektiere es, wenn anderen soetwas Spaß macht. Würde ich zu diesen Menschen gehören, ich hätte mich (hätte ich davon gewusst) gestern dumm und dämlich gefreut: Das Wetter war großartig, es war der Sonntag vor einem Feiertag, die Läden hatten geöffnet, es fand ein Flohmarkt statt. Bis dahin verstehe ich das alles vollkommen.</p>
<p>Nur, es ist so: Ich habe dort eigentlich kaum ein lachendes Gesicht gesehen. Die Parkplatzsuchenenden schienen mir allesamt kurz vorm Tobsuchtsanfall. Huperei von allen Seiten, der schimpfende Kleinwagenbesitzer mit Handy am Ohr direkt vor meiner Nase. Die Leute an den Ständen durchwühlten das Zeug auf den Tischen vor ihnen mit solch konzentrierten, ernsten Blicken, als würden sie gerade mit Bomben hantieren. Als würde ihr Leben davon abhängen, das perfekte Schnäppchen zu landen. Die vermeintlich Schlendernden hatten meist an der einen Hand ein quengelndes Kind und in der anderen die Leine vom Dackel, der ohne Rücksicht auf Verluste auf seinen kurzen Beinchen hinterher gezogen wurde, die Zunge schon fast über den Boden schleifend. Sie schlenderten weniger als dass sie rannten &#8211; als wären sie vor etwas auf der Flucht.</p>
<p>Diese Menschen sahen ganz bestimmt nicht so aus, als hätten sie Spaß.</p>
<p>Ich weiß nicht, wie ich das früher bewertet hätte &#8211; mit Kinderaugen. Vielleicht ist es normal so. Vielleicht bin ich naiv. Vielleicht verlernt man das Lachen einfach, wenn man wirklich „erwachsen“ ist, im Berufsleben steht, Kinder hat. Vielleicht ist irgendwann nur noch alles Stress, Druck, Zwang.</p>
<p>Aber vielleicht macht mir das Angst. Vielleicht will ich das nicht.</p>
<p>Vielleicht will ich ewig lachen können.</p>
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