Weihnachten 2014

Und Weltfrieden

Ganz ohne Religiosität, ohne Säcke voller Geschenke, ohne DIY-Weihnachtskarten, und – abgesehen von einem alten Plastikbaum, der bis dato drei Generationen pelziger Bestien überlebt hat – ohne Weihnachtsschmuck und Lichtergesindel, wünsche ich der Welt, egal ob sie nun den heutigen oder sonsteinen Tag zu feiern gedenkt, aus der Tiefe meiner Wolldeckenhöhle und der Tiefe meines Herzens Glückseligkeit und Frieden und Weisheit und Kekse und Geborgenheit und Liebe und dieses wohlig warme Gefühl in Kopf und Brust, wenn gerade einmal alles in Ordnung ist. Es kann verdammt viel schief laufen im Leben, man kann sich die Knie aufschürfen und die Handflächen und die Stirn und man kann sich Knochen und Schädeldecken und Herzen brechen, aber auch dann ist immer noch Strom in uns, Strom und Kraft und Energie und Leben, und das alles sollte man doch am besten zum Lächeln nutzen.

Gelesene Bücher im Oktober 2014

Gelesene Bücher im Oktober 2014

Normalerweise bietet der Herbst ja optimales Lese-Wetter, aber wer auf die glorreiche Idee kommt, sämtliche verbleibende Seminare des Studiums in ein einzelnes Semester zu quetschen, der hat davon nicht sonderlich viel. Immerhin: Die Leseminuten, die ich aufbringen konnte, haben sich zumindest gelohnt!

Das Hotel New Hampshire, John Irving (1998)

(Im Original: The Hotel New Hampshire, 1981)

Win Berry und seine zukünftige Frau Mary lernen sich in einem Hotel kennen und lieben – die beiden heiraten, und kurz darauf kommen nacheinander Frank, Franny, John, Lilly und Egg zur Welt. John erzählt in diesem Roman die Geschichte seiner Familie, vom ersten bis zum letzten Hotel New Hampshire, von einem anderen Freud, Kummer, Bären, Huren, von Schlagobers und Blut, Geschwisterliebe und Wachstumsversuchen, von Gewinn und Verlust, von Liebe und Tod.

„Bleib immer weg von offenen Fenstern…“ Es gibt Bücher, zwischen deren Seiten man unweigerlich kleben bleibt, in deren Worten man sich verfängt, ohne, dass man den Finger darauf legen könnte, warum. Von John Irving sollte man mal etwas gelesen haben, dachte ich mir, schnappte mir das Buch mit dem Bären drauf, und wurde eins mit der Familie Berry. Eigentlich war mir der Roman anfänglich ja zu absurd, zu merkwürdig, aber aufhören zu lesen konnte ich dann doch nicht, und je weiter ich kam, desto weniger seltsam erschienen mir all diese Skurrilitäten. Im Gegenteil; das, was ich zu Beginn noch so absurd gefunden hatte, das entwickelte mehr und mehr einen doppelten Boden, so lange, bis in jeder Absurdität so etwas wie eine tiefere Wahrheit steckte. Dass Kummer immer obenauf schwimmt, man manchmal einfach nicht groß genug ist und wir alle einen schlauen Bären brauchen, zum Beispiel. Ein wunderbares Buch!

Mr. Mercedes, Stephen King (2014)

(Im Original: Mr. Mercedes, 2014)

Ex-Cop Bill Hodges steht nach seiner Pension kurz davor, sich vor lauter Langeweile die Kugel zu geben – bis er einen Brief von jenem Menschen erhält, der vor einem Jahr mit einem gestohlenen Mercedes S600 in eine Menschenmenge gerast war und vielen dabei das Leben oder zumindest ein paar Gliedmaße genommen hatte. Hodges war damals mit dem Fall betraut, doch zu „Mr. Mercedes“ fehlte jede Spur. Der Brief des Täters weckt Hodges Lebensgeister und er beginnt, den Fall neu aufzurollen – und mithilfe einiger Komplizen kommt er dem psychopathischen Killer endlich näher…

Ich hab’s ja nicht so mit dem ganzen Crime-Genre. Mit CSI und Co. kann man mich jagen, Romane über Ermittlerteams, die in dreißig Teilen die ewig selben Fälle aufklären, finde ich langweilig, und eigentlich war ich vom Klappentext des neuen Kings alles andere als angefixt. Aber es ist eben ein King: Kein anderer kann so Geschichten erzählen, und widerstehen kann ich dem Kerl und seiner Schreibe am Ende ja doch nicht. Und, siehe da, auch wenn „Mr. Mercedes“ ein regelrecht altmodisch anmutender Kriminalroman ist, das, was Kings Geschichten schon immer ausmacht, das steckt auch in diesem Werk: Die Charaktere sind nicht nur wacklige Baukasten—Konstruktionen stereotyper Eigenschaften und Eigenarten, sie sind Menschen, und was ihnen passiert, das geht einem nahe. Für den Leser ist die Frage hier nicht, wer der Täter ist, das wissen wir von Anfang an – wir wollen wissen, ob unsere Helden den Bösewicht fangen können, und vor allem, ob sie dabei heile bleiben. Das Buch liest sich fast von selber, sobald man den Fehler gemacht hat, anzufangen. Das ist gut. Und ich bin gespannt, was King aus dieser Geschichte noch machen wird, handelt es sich bei „Mr. Mercedes“ ja um den Auftakt einer Trilogie. Aber ein bisschen fehlte mir ja „Trag das auf dem Heimweg, dann sieht es aus wie ein Kleid“. Ein bisschen fehlte mir diese innere Schönheit, die viele King-Romane inmitten all der Abgründe in sich tragen.

Liebster Award

Liebster Award für Howl at the Moon

Petra von „Mein Blog, meine Gedankenfürze“ hat mir so etwas wie ein Stöckchen an den Schädel geschmissen – also, eigentlich ist es kein Stöckchen, sondern ein Award, aber nicht bloß in Form eines bunten Bildchens, das man sich stolz in die Sidebar klatscht, sondern man soll sich mit andererleuts Fragen herumschlagen und im Anschluss wiederum andere Leute mit neuen Fragen piesacken. Oder so. Auf jeden Fall muss man ganz viele Links spendieren, damit schnuckelige, unbekannte Blogs wie Howl at the Moon massig Traffic bekommen, dadurch wahnsinnig berühmt werden und so nach und nach die wohlverdiente Webherrschaft an sich reißen können. Klingt doch gut, oder?

Okay, okay, nicht unbedingt, ich weiß. Das schmeckt so nach: Sag mir deinen Lieblingslidschatten und ich link dich. Willkommen zurück im Jahr 2004, als die berüchtigten myblogs noch als Statussymbol unter Teenagern galten – 4.815.162.342 Fakten über mich, eine Tirade auf die beste Feindin, und schon steht das Ding. Perfekt!
Nein, aber mal ehrlich. Das Konzept des Liebster Awards ist in Wirklichkeit eine richtig nette Sache: Klar, ein bisschen (ein bisschen sehr) hat es was von Kettenbrief, aber hey, da sagt dir einer, dass ihm dein Blog gefällt, und im Gegenzug nennst du ein paar Leute, deren Schreibe du magst. Und damit andere was zu lachen haben, beantwortest du 11 Fragen und denkst dir 11 neue aus, die du wiederum deinen „Liebsten“ stellst (von denen du bestenfalls auch 11 an der Zahl in petto hast, weil Polygamie trendy und die 11 halt voll die geniale Zahl ist!!!11elf).
So weit, so gut (was sagt der Optimist, wenn er aus dem Fenster springt?). Ich nehme an dieser Stelle gleich vorweg, dass ich das mit den 11 Nominierungen nicht auf die Kette kriege, aber die Fragen, die Petra mir gestellt hat, sind verdammt unterhaltsam, und vor dem Hintergrund lohnt sich dieser Post hier trotzdem (zumindest für mich). Deswegen mache ich an dieser Stelle zunächst einen demütigen Knicks und sage: Danke, Petra! Und: Wer bei den folgenden Fragen ähnlich grenzdebil grinsen muss wie ich, dem kann ich nur empfehlen, mal auf ihrem Blog vorbeizuschauen!

Los geht’s: Die Antworten

1. Wieso belästigst du die Welt mit deinem Blog, statt uns in Ruhe zu lassen?
Wie – ihr NPCs könnt euch belästigt fühlen? Geile Technik. Nein, Quatsch, ganz so egozentrisch bin ich dann doch nicht; ich schreibe schlicht und ergreifend gerne. Über alles. Irgendwann habe ich mal einer Freundin einen mehrseitigen Essay über die Gleichberechtigung von verschiedenfarbigen Mülleimern geschrieben, und sie hätte mich dafür schlagen können, dass ich ihr damit das Postfach zumülle, aber das tat sie nicht – im Gegenteil, sie musste sehr darüber lachen. Das war schön. Alle Jahre wieder schaff ich’s mal, dass irgendjemand wegen etwas, das ich geschrieben habe, lächeln muss, und das ist mir Bestätigung genug, um der Welt weiterhin auf den Sack zu gehen.

2. Was macht deinen Blog so besonders, das man ihm folgen sollte?
Na ja, es ist mein Blog – das ist ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Ich schätze, solange ich nicht versehentlich von einer Klippe falle, kann’s ganz lustig sein, mir ein wenig zu folgen, aber diese schwerwiegende Entscheidung überlasse ich in meiner Großzügigkeit lieber jedem selbst.

3. Doc Brown hat den De Lorean in deiner Einfahrt stehen lassen. Wo gehts hin?
Amerikanisch-mexikanische Grenze, Ende des 19. Jahrhunderts, ein Stück in die Prärie. Einmal hinter die Romantisierung des Wilden Westens blicken, mitten in den Dreck und die Armut und die Entbehrungen, und vielleicht für eine kleine Weile darin untergehen, um sich am Ende irgendwie sauberer zu fühlen. (Nur den DeLorean sollte ich in Reichweite behalten, alt werden würde ich dort nämlich nicht.)

4. Du darfst in einem 80er Jahre Teenie Film mitspielen. Welcher wäre das und wieso?
Irgendwie fallen mir gerade nur Horrorfilme ein (na ja, und Zurück in die Zukunft, aber das Thema hatten wir ja schon). Ich habe mit 10 Jahren den folgenschweren Fehler gemacht, mir An American Werewolf in London anzusehen und habe bis heute gelegentlich Albträume von Werwölfen, die mir oder meinen Lieben das Herz aus der Brust reißen. Trotzdem liebe ich den Streifen abgöttisch, und wenn’s mich damals schon gegeben hätte, ich hätte liebend gern dort mitgewirkt. Vorzugsweise als Opfer. Mich in Filmblut wälzen, jaulend unter der fetten Wolfs-Requisite mit den Monsterzähnen begraben werden und hinterher von Rick Baker ein krasses Leichen-Make up wie das von Griffin Dunne aufgemalt bekommen, das wär’s gewesen. Außerdem hat John Landis seinerzeit eine Szene, in der die Fellbombe drei Obdachlose zerfleischt, aus dem Film geschmissen, weil sie das Testpublikum allzu sehr in Panik versetzt hat. Klar, das war 1981, wie schlimm kann das aus heutiger Sicht schon gewesen sein – dennoch, die Szene ist leider nach ihrem Rauswurf verloren gegangen, und ich hätte zu gern mal mit eigenen Augen gesehen, was genau die Menschen damals so schockiert hat.
Ansonsten, falls der AWIL zu wenig teenie ist: Beim Dreh eines Nightmare on Elm Street-Films mitzuwirken wäre auch ziemlich cool gewesen. Vorzugsweise beim vierten, The Dream Master. Den mag ich am liebsten. Und da geht’s ja vornehmlich um Teenager. How do you know so much about dreams? – Well, when it’s all you have, you kinda become an expert…

5. Deine These zu: Würden Veganer als Zombies Menschenfleisch essen?
Klar. Da übernimmt der Hirnstamm das Kommando – und dem ist das wumpe, ob das Frontalhirn sich mal dazu entschlossen hatte, Rücksicht auf die armen Tierchen zu nehmen. Religiöse Menschen halten als Zombies vorm Zerfleischen ihrer Opfer ja auch nicht inne, um das Tischgebet zu sprechen.

6. Du wachst auf der Titanic auf und hörst noch die Worte: “Eisberg voraaaaaaaus!”. Würdest du alle warnen oder dich heimlich verpissen?
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die feinen Menschen aus dem Jahr 1912 einer jungen Frau Glauben schenken, die in ominöser Männerkleidung übers Schiff stolpert, wild mit den Armen rudernd und „Wir werden alle sterben!“ schreiend? Ich meine, ich bin viel zu sehr Trottel, um es nicht trotzdem zu versuchen, aber ich würde wohl noch vorm Aufprall über Bord geworfen werden.

7. Du heiratest eine meeeega berühmte Persönlichkeit. Wer wäre das und wieso genau diese Person?
Ach, die Guten sind doch eh alle schon weg. Würde das keine Rolle spielen: Sam Rockwell. Keiner tanzt wie Sam Rockwell.

8. Du darfst ohne Konsequenzen jemanden töten, was würdest du dafür benutzen und wieso?
CROSSBOW!!! (Ich würde mit dem Teil in irgendeinem Türrahmen hängen bleiben und zehn Meter daneben schießen.)

9. Wenn du die Wahl hättest, wer sollte dein Killer sein? Freddy Kruger, Jason Vorhees, Michael Myers oder Tine Wittler?
Freddy. Ich bin ja hart im Nehmen, aber Tine Wittler wäre mir dann doch zu krass.

10. Du hast einen höchsten Midi-Chlorianer Wert ever! Für welche Seite entscheidest du dich?
Für die der Ewoks.

11. Körbchengröße?
14 cm.

Liebster Award

Die Lieb-Links

Okay. Wem werfe ich das Teil jetzt zu? Die meisten Leute, denen ich zur Zeit virtuell an den Hacken klebe, haben das Ding entweder schon bekommen oder aber sie sind für Stöckchen und Co. wenig empfänglich, und aufzwingen will ich’s auch keinem. Deswegen werde ich im Folgenden einfach auf ein paar Menschen hinweisen, deren Blogs ich aktuell gern lese, im Anschluss meine 11 Fragen in den Raum stellen, und wer immer sich berufen fühlt, sie zu beantworten, der darf zur Tat schreiten – ich freu mich drüber. (Und ja, auch du darfst, wenn du magst. Genau du, der oder die du das hier liest. Wenn du kein Blog hast, pack’s in die Kommentare!)

Die Lieblinge:

  • Paleica. Seit Jahren eines der schönsten Blogs im WWW für mich, sowohl bildlich, textlich, als auch menschlich.
  • Silencer. Tolle Reiseberichte, allerlei Alltagskuriositäten, Medien- und Lebensdinge und natürlich das Wiesel – absolute Leseempfehlung für jeden, der atmet!
  • Celina. Alltag mit Spitz, Tierschutz-Fell- und Federbomben und Fledermäusen.
  • Mareike. Ein Blog über so ziemlich alles, was Spaß macht.
  • Christin. Über Sprache, das Denken und das Leben. Erst vor kurzem entdeckt, aber sehr schnell zu meinen Favoriten geschoben.
  • Petra. Wortschubserin und SAMCRO-Anhängerin. Scheißtag? Ihr Blog lesen, dann wird’s besser!

Nein, ihr müsst euch jetzt nicht verpflichtet fühlen, meine Fragen zu beantworten. Macht einfach weiter so wie bisher, dann bin ich schon glücklich!

Und jetzt, am Ende…

Für die, die Spaß dran haben: Die Fragen

  1. Der Tag, an dem du das Bloggen anfingst – was hast du dir dabei gedacht?
  2. Anti-Bucket list: Was hoffst du bis zu deinem Tod niemals zu tun?
  3. Ein Ratschlag für dein 10 Jahre jüngeres Ich?
  4. Du sollst dein Leben verfilmen – welche Schauspieler willst du im Hauptcast haben?
  5. Was war dein liebstes Kuscheltier in Kindertagen?
  6. Du schmeißt ne Party und kannst jede Person, lebendig, tot oder untot, einladen, die du willst. Wer wird’s?
  7. Welches Lied soll auf deiner Beerdigung gespielt werden?
  8. Freie Auswahl: Welche Superkraft hättest du gern?
  9. Dein Haus brennt. Was rettest du auf der Flucht vor den Flammen?
  10. Jack Bauer braucht Informationen von dir, die du nicht rausrücken willst. Welche Foltermethode lässt dich ganz sicher einknicken?
  11. Welchen Ort auf der Welt sollte man deiner Meinung nach unbedingt einmal mit eigenen Augen gesehen haben?