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Eric Fish and Friends live im Bunker Ulmenwall Bielefeld 2014

Mittlerweile auch schon eine Woche her (Zeit, wo läufst du hin?), aber nach wie vor die Worte wert: Eric Fish und Freunde live im Bunker Ulmenwall!
Im Nachhinein habe ich keine Ahnung mehr, was mich davon abgehalten hat, mir sein Akustik-Programm schon viel früher mal live zu geben; immerhin war es vornehmlich seine Stimme, die mich vor elf Jahren so auf Subway to Sally hat anspringen lassen. Letztendlich würde ich wohl bei jeder meiner Lieblingsbands sagen, dass ich sie ganz besonders für die Stimme des Sängers verehre (ich bin nämlich ausgesprochen stimmfixiert, was meine musikalische Beschallung angeht), doch so gern ich Michael Rhein, Dero, Till Lindemann und Co. im Ohr habe – Erics Stimme ist von allen diejenige, die sich mir über die Jahre am tiefsten in Herz und Hirn gegraben hat. Nicht nur mit Subway to Sally, die mir nun seit mehr als einem Jahrzehnt Starthilfe an grauen Tagen geben, sondern auch und gerade mit seinen eigenen Songs, die musikalisch wie textlich nicht bloß Aufputschmittel sein können, sondern auch Schiene für die Knochen, Wundsalbe für den Kopf und Pflaster für die Seele.

Am 8. Oktober war Mister Fish samt Kollegen Rainer, Uwe und Gerit zu Gast im gar schnuckeligen Bunker Ulmenwall in Bielefeld – einem Mini-Club, den ich eher als Veranstaltungsort von Poetry Slams kenne und in dem der Aufbau des Bühnenbildes wohl einiges an Kreativität erfordert haben muss, am Ende saßen die Musiker sich beim Auftritt nämlich im Kreis gegenüber und die Zuschauer verteilten sich rechts und links um sie herum. Das war in der Tat ein ziemlich untypisches Setting und wir stutzten alle ein wenig, als wir beim Einlass in den Raum geströmt kamen, aber schlussendlich verstärkte diese Anordnung dann doch nur die lockere, familiäre Atmosphäre, die an diesem Abend herrschte. Und da ich einen ganz netten Platz direkt vorn ergattern konnte, waren Sicht und Akustik zumindest in meinen Augen und Ohren absolut perfekt – ich hoffe an dieser Stelle einfach mal, die anderen Fishfreunde konnten sich clever um die ganzen Pfeiler herum positionieren, um einen ähnlich guten Blick auf die Vier in der Mitte erhaschen zu können.

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Das Programm, die „Zugabe IV“, bestand nicht nur aus eigenen Werken, sondern auch aus diversen bekannten Songs aus der Rock- und Metalsparte, die die Jungs als Akustikversionen neu interpretierten. Ich kannte zugegebenermaßen nicht alle davon, aber da auch Songs von beispielsweise Korn, System of a Down und Godsmack dabei in keinster Weise an Power verloren, liegt der Schluss verdammt nahe, dass auch die übrigen Stücke den jeweiligen Originalen absolut würdig waren. Und auch Lieder von Erics Alben, die ich schon auf Platte immer wahnsinnig gern mochte, wurden live erwartungsgemäß zu echten Highlights: Insbesondere über „Nägel im Kopf“, „Es kommt der Tag“, „Prinzessin auf der Erbse“ und natürlich „Anders sein“ habe ich mich dumm und dämlich gefreut.
Nachdem ich bei sukekiyo im September ja schon auf Zappelei verzichtet hatte, war das hier nun das zweite Konzert, das ich sitzend verbracht habe, und auch hier war das gut so, denn bei vielen Songs wollte man wirklich einfach nur im Kerzenlicht dasitzen und zuhören und die Musik und die Atmosphäre und den Abend wirken lassen. Anders als Kyo legt Eric allerdings sehr wohl Wert auf Kontakt zum Publikum – schlecht für mich, denn schon die ersten paar Songs und Erics Zwischenreden müssen mir ein recht grenzdebiles Grinsen entlockt haben, das ihm wohl genug ins Auge stach, um mich prompt darauf anzusprechen. Vor versammelter Mannschaft gefragt werden, ob man bekifft sei? Ja, da muss man bei Eric Fish gelandet sein.
Letztendlich war’s aber gerade diese Distanzlosigkeit, die den Abend besonders perfekt gemacht hat. Die Musik war großartig, keine Frage, aber die kleinen Sticheleien in der Band, Erics Geschichten, Uwe, der am Ende mal kurz zum Pinkeln verschwinden musste, das alles gab einem dieses Kumpel-Gefühl, das einem die wenigsten Künstler mitgeben wollen oder können. Der ganze Auftritt war wie eine Party im Wohnzimmer eines Freundes, es gab was zu lachen, was zum Nachdenken, es gab Whiskey, und am Ende fuhr man ein bisschen leichter, ein bisschen befreiter nach Hause, und das Leben fühlte sich besser an.

PMD#16

Picture my Day #16

Heute ist Picture my Day-Day! Der 16. an der Zahl, und der erste, bei dem ich mitmache – an einem herrlich freien Tag, mit wackligen Handyfotos und einer Überdosis Katzenhaare!

#1#2

Die Katzen füttern. Kaffee trinken.

#3#4

Das Zebra bespaßen. Besorgungen machen.

#5#6

Jemandem zurück auf die Beine helfen. Kurzer Friedhofsbesuch.

#7#8

Im Herbst versinken. Stets auf eine gesunde Ernährung bedacht sein.

#9#10

Die Katzen füttern. Den Löwen beschmusen.

#11#12

Mit dem Löwen in der Sonne sitzen. Geschenkpapier aus dem Keller holen.

#13#14

Geschenk für eine Freundin einpacken. Kurze Runde Call of Duty.

#15#16

Die Spinnen checken. Lesen.

#17#18

Noch einmal Luft schnappen. Abendessen.

#19#20

Das Zebra bespaßen. Alte Sons of Anarchy-Folgen sehen.

Gute Besserung für den alten Herren, der auf dem Parkplatz gestürzt ist (Bild 5 zeigt die Reste vom Blut, das ich an den Händen hatte, nachdem wir ihn von der Fahrbahn geholt haben – blutende Menschen auf dem Asphalt sind eindeutig nichts, was ich häufiger sehen möchte), und vielen Dank an Mareike für die Organisation des #pmdd16! Irgendwie beneide ich die Leute, die schon mehrfach mitgemacht haben – durch 16 Tage meines Lebens klicken zu können, das wäre schon ziemlich cool.

Gelesen im September 2014

Gelesene Bücher im September 2014

Hauptsächlich habe ich diesen Monat Literatur für meine zwei Hausarbeiten gewälzt, aber für drei Bücher und eine Kurzgeschichte habe ich dann zwischendurch doch noch Zeit gefunden. Das war auch nötig – die Hintergründe ikonischer Gesten und die Komorbidität von Stottern und sozialer Angststörung sind nämlich keine Themen, mit denen man sich zu jeder Minute seines Tages beschäftigen sollte. Ein Hoch also auf die vier Geschichten da unten, die mich ein wenig ablenken konnten!

Im Schatten des Vaters, David Vann (2012)

(Im Original: Sukkwan Island, 2010)

Der 13-jährige Roy soll ein Jahr allein mit seinem Vater Jim auf einer einsamen Insel in Alaska verbringen – in einer baufälligen Holzhütte, die Jim gekauft hat, mitten in der Wildnis zwischen Bergen und Wäldern und Schnee. Roy wächst eigentlich bei seiner Mutter auf, getrennt von Jim, und hier sollen Vater und Sohn sich besser kennenlernen. Doch die beiden reden kaum miteinander, konzentrieren sich auf die Vorbereitungen für den Winter, versacken in der kühlen Einsamkeit, und nachts hört Roy, wie sein Vater sich in den Schlaf weint.

Eine Novelle über eine Vater-Sohn-Beziehung, die einen in der ersten Hälfte langsam, fast schleppend, nach unten zieht, um einem dann, wenn man am Boden angekommen ist, mitten ins Gesicht zu treten. Die Geschichte liest sich zu Beginn bedrückend, gerade weil Vann Roys Gefühle nicht mit dem Skalpell seziert. Was danach kommt, geschieht so plötzlich und fühlt sich so abstrus, so widersinnig an, dass man die zweite Hälfte der Erzählung in einem Atemzug verschlingen will – um sie am Ende dann doch lieber wieder hochzuwürgen, in der Hoffnung, sie aus dem System zu kriegen. Es ist eine Weile her, dass ein Buch mich so packen, so bewegen konnte, aber ich muss zugeben, es hat zwischenzeitlich ziemlich wehgetan.

Relic, Douglas Preston & Lincoln Child (1995)

(Im Original: Relic, 1994)

Zwei Jungs streifen durchs Natural History Museum in New York und werden kurze Zeit später tot aufgefunden – in Fetzen, mit zertrümmertem Schädel und angefressenem Gehirn. Der Fall erregt Aufsehen, insbesondere, nachdem einen Wachmann des Museums kurze Zeit später dasselbe Schicksal ereilt. Lieutenant d’Agosta untersucht die Morde und bekommt schon bald Verstärkung von einem Special Agent des FBI, Pendergast, der ähnliche Verstümmelungen bei Leichen schon vor einer Weile in New Orleans zu Gesicht bekommen hat. Für die Museumsleitung sind die Morde (und besonders ihr Timing) eine Katastrophe, steht doch die Eröffnung einer wichtigen Ausstellung bevor, bei der erstmals auch ein besonderer Fund einer Amazonas-Expedition gezeigt werden soll, von der niemand lebendig zurückkehrte. Unter den Mitarbeitern werden zunehmend Gerüchte über einen Fluch, der auf dem Museum lastet, laut, und je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto abstruser wird das Bild, das d’Agosta und Pendergast vom Täter bekommen…

Ich wollte ja ein bisschen Monster-Horror, aber der sachliche und ziemlich gewöhnliche Schreibstil in Verbindung mit einem Überschuss an oberflächlich gezeichneten Charakteren, mit denen ich in 80% der Fälle nichts anfangen konnte, waren dem Spannungsaufbau sehr hinderlich. Dass der Roman auf dem Stand von vor 20 Jahren und sein Verlauf ziemlich vorhersehbar ist, das stört mich bei derartiger Literatur nicht sonderlich, aber ich will dann auf andere Art gepackt werden – vorzugsweise, weil ich um die Protagonisten bange. Das letzte Drittel hat’s ein wenig rausgerissen, insgesamt hatte ich allerdings mehr erwartet. Der Epilog hat mir den nächsten Teil, Attic, dann doch noch ein wenig schmackhaft gemacht, aber nachdem ich an Relic schon zwei Wochen hing, weiß ich noch nicht, wann ich mich da ranwage.

Driver, James Sallis (2007)

(Im Original: Drive, 2006)

Driver ist Stuntfahrer – und ab und an fährt er bei Raubüberfällen den Fluchtwagen. Er ist nämlich ein verdammt guter Fahrer, und mehr will er auch gar nicht: Nur fahren. Bis einer der Überfälle schief geht und zu einer nicht enden wollenden Reihe von Leichen führt.

Mit den Worten „das ist cool!“ in die Hand gedrückt bekommen, innerhalb von wenigen Stunden durchgelesen und auf halber Strecke erst bemerkt, dass das der Roman zum Film „Drive“ mit Ryan Gosling sein muss. Der Film war gut, und das Buch ist auch gut – obwohl beide auf derselben Grundstory beruhen, setzen sie aber doch unterschiedliche Schwerpunkte, und so bleibt Sallis’ Werk auch für jemanden, der den Film schon kennt, irgendwie neu und unverbraucht. Und, wie so oft: Das Buch ist besser. Aufbau und Stil sind etwas verworren, man muss also bei der Sache bleiben, um nicht irgendwo aus der Kurve zu fliegen, aber die Geschichte ist so rasant wie Drivers Fahrstil.

Böser kleiner Junge, Stephen King (2014)

(Im Original: Bisher nur auf Deutsch und Französisch erschienen.)

George Hallas wartet im Knast auf den Tod, weil er ein kleines Kind erschossen hat. Er hat das Urteil akzeptiert, doch sein Pflichtverteidiger Leonard Bradley lässt nicht locker – und schließlich wird seine Hartnäckigkeit belohnt; Hallas erzählt ihm die ganze Geschichte, warum der böse kleine Junge sterben musste.

Wie, Stephen King, und dann gibt’s das nur auf Deutsch und Französisch?! Ja, denn diese nette kleine Kurzgeschichte ist ein Dankeschön von Mr. King für den netten Empfang, den seine Fans ihm 2013 in Deutschland und Frankreich bereitet haben. Für zwei Euro gibt’s das Teil als Ebook zum Download. Die Geschichte ist schnell gelesen, aber gewohnt großartig geschrieben, mit im Verlauf etwas vorhersehbarer, aber treffender und herrlich fieser Pointe.