30. Oktober 2011: Arkham City
Videospiele | 3 Kommentare

Im Bezug auf Games bin ich nörgelig geworden. Wo ich früher noch Zeit hatte, 30 Stunden die Woche zu zocken, bin ich heute froh, wenn ich überhaupt dazu komme, die Playstation oder Xbox anzuwerfen – und das tue ich nur, wenn ich weiß, dass es sich lohnt. Batman: Arkham Asylum war mein Lieblingsspiel – nicht, weil ich mich in besonderem Maße für Bruce Wayne oder Bats begeistern würde, sondern vor allem, weil ich den Joker mag. Nicht unbedingt jede Version des Jokers, die Film-Joker hauen mich beispielsweise nicht unbedingt vom Hocker, auch wenn ich die Ledger-Version immerhin angenehm nah am Azzarello/Bermejo – Joker fand (irgendwas fehlte mir trotzdem) – aber in jedem Falle liebe ich DIESE Version des Jokers. (Okay, und das Gameplay ist auch nicht schlecht.)

Damit erübrigt sich gewissermaßen die Frage, wieso mein Zimmer nach dem Ende der Hauptstory von Arkham City aussah wie nach einer Flutkatastrophe, und, warum Arkham City für mich einen etwas bitteren Beigeschmack hat. Ich muss auch nicht extra erwähnen, dass ich einem gewissen Namen auf meinem Star Wars-Poster bei aller Liebe nun auch ein ganz, ganz kleines bisschen Hass entgegenbringe. Ich bin eigentlich gar nicht der Typ, der sich sonderlich für fiktive Figuren begeistern kann – aber ich war eben auch nie ein Freund von Comics, bis ich irgendwann auf „Arkham Asylum – A Serious House on Serious Earth“ von Grant Morrison stieß und mich unwiderruflich in Mister J verknallte.

Bei aller Frustration, muss ich aber sagen – ich hatte wirklich meinen Spaß an dem Spiel. Ich werde ihn auch weiterhin haben, Arkham Asylum habe ich nämlich auch fünfmal durchspielen müssen, bis ich irgendwann genug davon hatte. Wer die Spiele kennt, weiß auch, wieso – selbst nach dem fünften Mal könnte einem nämlich noch ein nettes Detail auffallen, das zuvor an einem vorbeigegangen ist. Und diese Details sind klasse. Teilweise so sehr, dass ich lachend vorm Fernseher sitze.

„Joker“:
Well, here’s the thing. Answers don’t give you everlasting satisfaction. Sometimes you need to brace yourself for disappointment. Think about it. Imagine your favorite TV show. You’ve been through it all. The ups, the downs, the crazy coincidences, and then: Bang! They tell you what it’s all about.

Would you be happy? Does it make sense? How come it all ended in a church?

Jeder LOST-Fan muss hier ein sehr, sehr dummes Grinsen im Gesicht gehabt haben. Ich schließe mich da ein.





27. Oktober 2011: Von arachnophob zu arachnophil – Oder: Du hältst WAS?!
Vogelspinnen | 5 Kommentare

Spinnen gehören bekanntermaßen nicht gerade zu den Tieren, die im Allgemeinen einen sonderlich guten Ruf genießen – allein in meiner Straße enden wahrscheinlich täglich mindestens fünf Exemplare unter Schuhsohlen und Fliegenklatschen, und ich muss ganz offen sagen, dass ich selbst jahrelang beim Anblick eines wie auch immer gearteten Achtbeiners nur den Rückwärtsgang kannte. Dementsprechend spiele ich diesbezüglich auch nicht den Moralapostel. Denn, ganz ehrlich: Ich kenne das. Ich kenne diesen sechsten Sinn, der einen jede noch so kleine Spinne in der Umgebung innerhalb von Sekunden enttarnen lässt, ich kenne den Schockmoment, beim Betreten eines Raumes aus dem Augenwinkel einen dunklen Fleck an der Wand wahrzunehmen, ich kenne das Herzrasen, die Schweißausbrüche, das Lähmungsgefühl, die Schlaflosigkeit, und ich kenne jeden einzelnen Gedankengang, der einem in Konfrontationsmomenten durch den Kopf schießt. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich kann mich spontan an mindestens drei Situationen in meinem Leben erinnern, in denen mich ein Achtbeiner dermaßen erschreckt hat, dass ich in Tränen ausgebrochen bin – und immer war ich dabei älter als 15. Wenn ich sage, ich war arachnophob, dann sage ich das nicht nur so dahin. Arachnophobie bedeutet nicht, dass ich Spinnen ein bisschen uncool und eklig finde und mich lieber mit Katzen, Hunden und Kaninchen beschäftige. Arachnophobie bedeutet, dass ich beim Anblick einer Spinne dermaßen starke psychische und physische Reaktionen zeige, dass ich kurz vorm Kollaps stehe.

Ich habe lange Zeit gedacht, das Problem würde sich von selbst erledigen (frei nach dem Motto: mit dem Alter kommt auch die Weisheit), aber je älter ich wurde, desto mehr schien sich die Panik noch zu steigern. Mit sechzehn Jahren waren alle kindlichen Horrorvorstellungen von Monstern im dunklen Keller längst vergessen, dafür schleppte ich nun allerdings die sehr reale Vorstellung von Spinnen im dunklen Keller mit mir herum, die sich als wesentlich horrorhafter entpuppte, als es die Monster je hätten sein  können. Es lief irgendwie nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte, und mit jedem Lebensjahr mehr auf dem Buckel wuchs mein Ärger über diese dämliche Spinnenphobie ins Unermessliche. Was sollte ich machen, wenn ich in meiner eigenen Bude lebte? Regelmäßig beim Nachbarn klingeln und um Rettung betteln? Alle paar Wochen den Kammerjäger rufen? Mit einem Handstaubsauger am Gürtel durchs Leben gehen?

Es ist nicht so, als wäre mir nicht eigentlich klar gewesen, dass von heimischen Spinnen keinerlei Gefahr ausgeht. Ich kannte auch sämtliche Mantras über die Nützlichkeit der Tiere, und ich wusste ganz genau, wie dumm und unbegründet meine Panik war. Aber es half eben nichts. Phobien sind nicht rational, Phobien sind einfach.

Ich hantierte gerade mit dem Schlüssel meiner herzallerliebsten Dalmatiner-Spardose, als mein Blick auf die in Kunstharz eingegossene Spinne fiel, die mir als Schlüsselanhänger diente. Das Teil hatte ich seinerzeit auf einer Kirmes erstanden, und trotz aller Faszination hatte ich damals ewig Angst davor gehabt, es auch nur anzufassen – als würde der Insasse sich eines Tages wieder seinen Weg nach draußen bahnen können, um über mich herzufallen und mich ob der Grausamkeiten, die man ihm angetan hatte, zu bestrafen. Trotzdem hatte ich mich irgendwann daran gewöhnt, hatte dem Tier sogar einen Namen gegeben und ließ es sein  lebloses Dasein auf meinem Schreibtisch fristen. Es war irgendwie okay geworden.
In diesem Moment dachte ich mir, dass Gewohnheit der Schlüssel sein könnte – dass ich mich einfach an den Anblick der Achtbeiner gewöhnen müsste, um meine Angst zu verlieren. Es heißt schließlich immer, der Mensch fürchte vor allem das Unbekannte. Das klang super. Ich weiß gar nicht, wie schnell ich damals Firefox gestartet hatte und „Spinne“ in die Google-Bildersuche gehauen habe – ich weiß aber noch, dass ich diesen Optimismus noch im selben Moment fürchterlich bereut habe, da mir bei den Suchergebnissen selbstverständlich prompt eine monströse Hauswinkelspinne entgegenleuchtete und ich in blankem Entsetzen fast rückwärts vom Stuhl gefallen wäre. Ich würde die Nacht über kein Auge zutun, soviel stand fest.
Ich wollte den Browser gerade wieder schließen und kapitulieren, da sprang mir der orangefarbene Knieschützer einer  mexikanischen Rotknievogelspinne ins Auge – achja, die gab es ja auch noch. Das Grauen in XXL-Ausführung. Großartig.
Mit dem Frust nach meiner Niederlage kam der Masochismus, also klickte ich das Bild an und gab mir das Vieh im Vollbildmodus. Ew. Beine. Viel zu viele Beine. Überall nur Beine. Hat das Ding etwa ZEHN davon? Und dann diese Ringeloptik – ein Monstrum im Schulmädchenlook! Satan in Strumpfhosen! Freddy Krueger in Spinnenform! Das ist doch nicht in Ordnung! Phu, nein. Nicht auszuhalten. Weg damit. Weg, weg, weg!!!

Was es letztendlich war, das den geteufelten Ringel / geringelten Teufel doch irgendwie für mich interessant gemacht hat, weiß ich nicht mehr, aber ein paar Tage später beauftragte ich Google erneut mit einer Suche, diesmal nach dem Begriff „Vogelspinnen“, klickte tapfer auf das erste Ergebnis und fand einen Bericht über die Haltung der haarigen Biester als Haustiere. Wer jetzt meint, das wäre der Moment gewesen, in dem es bei mir ‚klick‘ gemacht hätte, der irrt sich – mir war natürlich durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die sich diese Achtbeiner freiwillig ins Haus holen, ich war allerdings immer davon ausgegangen, dass es sich bei diesen Menschen wahlweise um Biologen oder Irre (oder eine Mischung aus beidem) handeln musste. Ich klickte den Artikel weg und suchte mir einen Text über die Anatomie der Tiere. Dann fand ich einen über ihre Lebensweise. Einen über ihre Entwicklung. Einen über Häutungen. Einen über Verteidigungsmechanismen. Als ich die erste Website gelesen hatte, nahm ich mir die nächste vor, und danach die übernächste. Ich wollte meiner Phobie in den Hintern treten, wenigstens dieses eine Mal. Ich gewöhnte mich langsam an den Anblick der Riesenspinnen, und ich fing allmählich an, vorsichtige Sympathie für sie zu empfinden. Mir gefiel die Tatsache, dass Spinnen Putzverhalten zeigen (!). Ich fand es unglaublich, dass weibliche Exemplare bestimmter Gattungen über 25 Jahre alt werden können. Mir war nie bewusst gewesen, wie feingliedrig und verletzlich diese scheinbar monströsen Tiere eigentlich sind. Ich musste lachen, als ich das erste Mal eine Bombardierspinne mit Glatze bewundern durfte. Eine bebilderte Dokumentation über die Regeneration eines verlorenen Beins im Laufe von drei Häutungen habe ich nahezu inhaliert.
Ich war nicht geheilt, nicht einmal annähernd, aber diese erste Recherche war gewissermaßen der Beginn eines langen Lernprozesses, der bis heute andauert und noch immer nicht ganz abgeschlossen ist. Über Monate hinweg las ich so ziemlich alles über Vogelspinnen, was ich online finden konnte, sah mir jedes Bild an, das verfügbar war, so lange, bis ich dabei keinen Schauer mehr spürte – dann fing ich mit den ersten Videos an. Ich kann nicht genau sagen, warum ich das so strikt durchgezogen habe, aber ich weiß, dass es geholfen hat. Begegnete ich fortan einer Spinne, war da immer noch der Schockmoment, aber das Herzrasen legte sich, die Schweißausbrüche und die Lähmung blieben fort und ich hatte keine Angst mehr, im Angesicht des Feindes in Ohnmacht zu fallen. Es wurde erträglich. Nicht toll, aber handlebar.

Ich war nie wirklich scharf auf den direkten Kontakt mit einer Vogelspinne gewesen. Manchmal spann ich mir ein Bild von mir mit Brachypelma smithi „Thelma“ zusammen (denn, wenn eine Spinne, dann müsste es natürlich immer eine mit orangefarbenen Knieschützern sein), wie ich in meiner eigenen Wohnung vor ihrem Terrarium sitze, besoffen von meinem Triumph, die gottverdammte Phobie bekämpft zu haben – aber das war etwas, das ich unter „vielleicht irgendwann mal“ in den Weiten meines Cortex abgespeichert hatte, und ich hatte nicht vor, das in näherer Zukunft zu verwirklichen. Ich traute mir das nicht zu. In der Gleichung waren mir zu viele Unbekannte, und ich wollte nicht die Verantwortung für ein Leben übernehmen, vor dem ich mich vielleicht noch immer fürchtete.

Es kommt eigentlich nie so, wie man es anfangs geplant hatte: Etwas über ein Jahr später nahm ich ein Paket mit drei jungen Vogelspinnen entgegen. Vor Nervosität zitterten mir die Hände, und damals hatte ich so große Angst vor der Angst, Angst, dass ich ewig Angst haben würde, Angst, dass alles, was ich innerhalb von zwei Jahren aufgebaut hatte, gleich zu Staub zerfallen würde, dass ich mich am liebsten für meine Blauäugigkeit, mir einfach so den Feind ins Haus zu holen, geohrfeigt hätte.
Ich suchte die drei nacheinander im Zeitlupentempo aus ihrer sicheren Verpackung, beginnend mit der Kleinsten, endend mit der Größten. Die Kleinen waren Spiderlinge, Baby-Spinnen, die aus ihren Filmdöschen sofort in die vorgegrabenen Höhlen in ihren Aufzuchtboxen stolperten und sich vom Transport erholten. Die (aus Phobikersicht) Große war eine Jungspinne mit etwas über 2 cm reiner Körperlänge und acht ausgesprochen langen, haarigen Beinen. Braun. Keine Knieschützer. Diesen Kandidaten umzusetzen trieb meinen Blutdruck in ungeahnte Höhen, nicht zuletzt deswegen, weil er wenig von der Umsiedelungsaktion hielt und es vorzog, sich an dem Tuch, in dem er saß, festzuklammern.
Nachdem ich alle Behälter sicher verschlossen hatte, lehnte ich mich theatralisch gegen die Wand der Badewanne und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Das Schlimmste war überstanden. Ich stellte die drei auf den Tisch in meinem Zimmer, setzte mich davor und starrte in die Faunabox, in der die Große, eine Grammostola mollicoma, gerade begann, mit unbeschreiblicher Eleganz ihr neues Zuhause zu erkunden. Ich weiß noch, wie mir mit jedem vorsichtigen Schritt, den sie tat, mehr und mehr das Herz aufging – ich hatte nicht befürchtet, dass sie mir beim Umsetzen an die Kehle springen würde, ich war auch nicht erleichtert, ohne Bisswunden oder Brennhaare im Auge davon gekommen zu sein, ich war einfach nur dankbar, dass dieses vermeintliche Monster heil in seinem neuen Territorium angekommen war, und ich war unbeschreiblich glücklich, dass dieses vermeintliche Monster jetzt zu mir gehörte. Ich nannte sie Cady, nach einer Rolle aus einem alten Scorsese-Film. Nicht ganz ohne Augenzwinkern.

Diese Spinne ist bis heute mein ganzer Stolz. Sie ist noch immer meine Große, misst mittlerweile gut 6 cm reine Körperlänge, und obwohl sie weder bunt noch geringelt sein mag, ist sie für mich der schönste Achtbeiner auf Erden. Mich abends vor ihr Terrarium zu setzen und zu warten, bis die ersten Paar Beine in ihrem Höhleneingang erscheinen, ist mein Urlaub vom Alltag, mein Sahnehäubchen an guten Tagen und mein Rettungsanker an beschissenen. Seit ich sie habe, bin ich zu etwa 97% angstfrei. Die verbleibenden drei Prozent beziehen sich auf besonders große Exemplare von Tegenaria atrica (die lieben Hauswinkelspinnen) – aber damit kann ich leben. Es würde mich nicht wundern, wenn ich auch diesen schäbigen Rest an Phobie noch verlieren würde.

Ich will hiermit nicht sagen, dass es einfach wäre, seine Phobie zu bekämpfen. Ich behaupte auch nicht, dass es bei jedem funktionieren müsste, und ganz bestimmt will ich nicht, dass sich jeder Arachnophobiker eine Vogelspinne zulegt – wer sich solche Tiere anschaffen möchte, sollte vorher so viel Zeit in Recherche investieren wie nur irgendwie möglich, und vor allem sollte er sich zu 100% sicher sein, dass er sie dann auch artgerecht versorgen kann. Gelegentliche Zweifel im Voraus sind okay, die hatte ich auch, aber wer im Falle eines Falles nicht bereit sein sollte, seine Angst zu überwinden, um seinem Schützling zu helfen, der sollte es lassen.
Was ich hiermit ausdrücken will, ist Folgendes: Es ist MÖGLICH, seine Phobie zu bekämpfen. Und es ist sinnvoll. So bescheuert es sich anhören mag: Diese Ängste kosten auf lange Sicht Lebensqualität.
Ich bin auch kein Einzelfall. Ich kenne haufenweise Leute, die sich vom Phobiker zum Spinner entwickelt haben, heute Bestände von 300 Achtbeinern pflegen, um die halbe Welt reisen, um die Tiere im natürlichen Habitat zu bewundern und sie teilweise sogar nachzüchten. Keiner von denen ist einer Anstalt entsprungen.

Ich selbst halte heute – bald vier Jahre nach meiner ersten Recherche – sieben Vogelspinnen unterschiedlicher Arten. Die Achtbeiner gehören mittlerweile zu mir und meinem Leben dazu, ich wollte sie unter keinen Umständen mehr missen und ich bin unendlich froh, mittlerweile panikfrei in den Keller gehen zu können. Sich hinter seiner Phobie zu verstecken ist bequem, das weiß ich zu gut, aber jeder Versuch, aus ihrem Schatten herauszutreten, kann sich lohnen. Manchmal können dadurch sogar Feinde zu Freunden werden.





11. Oktober 2011: Rot
Nebenbei | 3 Kommentare

Erinnert sich noch jemand an die House-Folge, in der eine Mutter ihren Sohn wegen eines ominösen Ausschlages ins Krankenhaus geschleppt hat? Es stellte sich schnell heraus, dass die Familie sich ein todschickes neues (rotes) Sofa zugelegt hatte, auf dem der Bengel sich mit Begeisterung herumgefläzt hat. Und siehe da, das Mistding färbte ab. Fall gelöst. Gute Arbeit, Sherlock.

Es waren immer diese kleinen „Zwischenfälle“, die mich die Serie lieben gelehrt haben. Bevorzugt die, die ihn auf gute Ideen bringen, die so bahnbrechend sind, dass er nur noch wortlos aus dem Zimmer humpeln kann, um seinen eigentlichen „Hauptfall“ zu heilen, der gerade irgendwo im Sterben liegt (typischerweise, nachdem bereits neun von zehn Organsystemen versagt haben und man als Zuschauer zahlreiche neue Gründe gefunden hat, warum es einen niemals, unter gar keinen Umständen, ins Krankenhaus verschlagen sollte). Ich finde sie erheiternd – ich mag die Seitenhiebe in Richtung überfürsorglicher Mütter, und die in Richtung Hypochonder mit Internetdiagnose. Man grinst selbstzufrieden in sich hinein und denkt sich, tja, so ein Unsinn kann einem ja nicht passieren.

Trotzdem muss ich gestern Nacht sicher zwei Minuten fassungslos auf mein krebsrotes Spiegelbild gestarrt haben, mich unbändig über diese gottverfluchte Allergie ärgernd, die mein Gesicht wieder wie das eines Brandopfers ausschauen ließ, wo doch in ein paar Stunden die Uni wieder anfangen würde – bis mir meine todschicke neue (rote) Bettwäsche einfiel, in der ich mich gerade herumgefläzt hatte. Und siehe da, das Mistding färbt ab.

Fall gelöst. Kann mir ja nicht passieren.